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Umfrage:

Das ist jetzt natürlich keine Umfrage im althergebrachten Sinne, aber Eines interessiert mich dann doch.

Der TV Blog-Roman ist vor einiger Zeit an den Start gegangen und es sind schon etliche Auszüge veröffentlicht worden. Die Leserschaft ist bisher überschaubar, aber noch überschaubarer sind die Kommentare, Anregungen, Anmerkungen oder Aufforderungen zur Fortsetzung der Geschichte.

Daher meine Frage an Alle innerhalb der Volksfreund-Blogosphäre, aber auch an Alle Anderen da draußen:
 

1) Habt Ihr schon mal reingeschaut?
2) Werdet Ihr noch einmal reinschauen?
3) Und wie findet Ihr den Blog-Roman bisher?


Die Antworten könnt Ihr gerne hier posten, besser aber noch im entsprechenden Blog.


Falls Ihr aber bisher noch gar nicht reingelesen habt, dann könnt Ihr hier beginnen, und am Ende eines jeden Eintrages dann auf "weiterlesen" klicken.

Henry Hopkins



Henry Hopkins

Henry Hopkins war ein kreativer Mann. Er hatte schon viele Dinge
erfunden und er wollte noch weitere erfinden. Doch den großen Wurf
hatte er bisher noch nicht landen können und für manche seiner
Erfindungen war er sogar ausgelacht worden. Immerhin, von den
Einkünften die er aus den Patenten seiner Erfindungen bezog, vor allem
von dem Geld das er mit seinem automatischem Schallplattenwechsler
verdiente, konnte er ein bescheidenes, unabhängiges Leben führen. Es
reichte, und das war das wichtigste, auch für seine Arbeit. Und vor
einigen Jahren hatte er auch noch das kleine Landhaus geerbt. Das war
das größte Glück, das ihm in seinem bisherigen Leben widerfahren war
und er verstand es bis heute nicht, warum seine Tante es ausgerechnet
ihm vermacht hatte, obwohl in der Verwandtschaft so viele Menschen
waren, die ihr näher gestanden hatten als er. Außerdem galt Henry als
das schwarze Schaf in der Familie. Von Kindesbeinen an hatte er
gebastelt und getüftelt und schon früh hatte er gewusst, dass er
Erfinder werden wollte. Zuerst hatten es alle für eine Spielerei und
für Kinderträume gehalten. Sie hatten gedacht auch Henry werde
letztendlich Anwalt werden, so wie alle Männer in der Familie. Denn
seit Generationen gab es in der Familie Hopkins nur Anwälte, und
niemand hätte je daran gezweifelt, daß das auch so bleiben würde.


Bis Henry kam und Erfinder werden wollte.


Sie hatten ihn erst an dem Tag ernst genommen, an dem er das College
verließ. Die Familie war sehr aufgebracht gewesen und prophezeite ihm,
er würde in der Gosse landen. So wurde Henry zum Sündenbock und die
Familie hatte ihn fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel.


Einzig und allein Tante Emmy hatte damals vorsichtig ein wenig
Verständnis für Henry durchblicken lassen. Bald jedoch hatte auch sie
den Kontakt zu Henry abgebrochen, wohl um sich nicht mit der Familie zu
überwerfen. Aber auf dem Totenbett hatte sie allen einen Streich
gespielt und Henry ihr kleines Landhaus vererbt.


Henry konnte sich ein Lächeln nicht unterdrücken, als er sich
vorstellte wie betrübt wohl alle dagesessen hatten, als der
Testamentsvollstrecker diese Verfügung vorgelesen Hatte. Zuerst
ungläubige, dann erstarrte Mienen, in denen sich schließlich Entsetzen
breit machte. Es hatte sicher sehr heftige Ausbrüche der Empörung
gegeben, aber alle hatten sich schließlich damit abfinden müssen. Vor
allem Cynthia, Henrys Cousine, war vermutlich sehr aufgebracht. Sie
hatte sich ernsthafte Hoffnungen auf das Haus gemacht und innerlich nie
daran gezweifelt es auch zu erben, denn schließlich war sie die einzige
gewesen, die Tante Emmy wöchentlich besucht hatte. Wahrscheinlich aber
hatte die Tante den Braten gerochen, denn zwischen ihr und Cynthia
hatte es nie besondere Sympathien gegeben. Es war also zu
offensichtlich, wozu Cynthia sich zunehmend um die alte Dame bemüht
hatte. Das alles war vergeblich und Henry besaß nun das kleine
Landhaus. Es war ihm eine Genugtuung für all die Demütigungen und
Beschimpfungen die er hatte erfahren müssen.


Doch das schönste an seiner Erbschaft war, dass zu dem Landhaus ein
großes, fast parkähnliches Grundstück gehörte, an dessen Ende ein
kleines, altes Gartenhaus stand. Dieses Gartenhaus hatte nur zwei
Räume. Der eine war groß und rechteckig. Er hatte sechs Fenster und war
somit hell genug, damit Henry hier sein Labor einrichten konnte.


Der kleinere, eher quadratische Raum hatte zwar nur zwei Fenster,
war aber immer noch hell genug, damit Henry dort seine Bücher und sein
Planungsbüro unterbringen konnte. In diesem Gartenhaus hatte Henry
optimale Arbeitsbedingungen, und er nutzte sie auch. Dort verbrachte er
die meiste Zeit des Tages und ließ sich durch nichts und niemanden
stören.


Seitdem er das Haus und regelmäßige Einkünfte besaß, konnte er ein
sorgenfreies Leben führen. In früheren Jahren hatte er oft nicht
gewusst, woher er die Miete und das Essen nehmen sollte und das hatte
ihn sehr in seiner Arbeit behindert. Wenn man zu viele Sorgen hatte,
konnte man nicht erfinderisch sein, und von der Familie hatte er auch
keine Unterstützung erwarten können.


Da er nun aber unabhängig war, hatte er die nötige Muße, um sich
seinen Erfindungen zu widmen. Wenn er jetzt zum Patentamt ging, dann
waren seine Erfindungen ausgereift und bis ins Detail durchdacht.
Früher hatte er zu sehr unter Geldnot gelitten und versucht halbfertige
Erfindungen zu verkaufen, die dann aber kaum jemand gewollt hatte. Die
so gesammelten Frustrationen hatten ihn nicht gerade beflügelt und er
lebte in einem Teufelskreis, der erst durch das Erbe durchbrochen wurde.


Jetzt lebte und arbeitete er gänzlich ohne Druck und das kam seinen
Erfindungen sehr zugute. Immer öfter fand er Menschen, die seine
Erfindungen haben wollten und bald schon würde Henry es zu bescheidenem
Wohlstand gebracht haben.


Es gab nur zwei Dinge, die Henry Hopkins noch erreichen wollte. Das
eine war eine Erfindung, die ihn berühmt machen würde. Dazu hatte er
schon einige Ideen und Entwürfe, auf die er große Hoffnungen setzte.


Das andere war eine Frau.


Henry sehnte sich mit zunehmendem Alter immer mehr danach, sein
Leben mit einem anderen Menschen zu teilen. Bisher war sein Leben zu
unstet verlaufen und zu sehr mit Arbeit angefüllt gewesen, als da er
daran gedacht hätte zu heiraten. Außerdem waren ihm in seinem Leben nur
sehr wenige Frauen begegnet, so dass Henry auf diesem Gebiet über einen
nicht gerade reichen Erfahrungsschatz verfügte. Jetzt war Henry ein
Mann in mittleren Jahren, und es war höchste Zeit, sich nach einer Frau
umzusehen, Wenn er nicht als Junggeselle sterben wollte.


Henry war ein kleiner untersetzter Mann mit kurzen Beinen. Vor sich
trug er einen gemütlichen, runden Bauch, den er mit seinen kurzen, aber
sehr kräftigen Armen nur mit Mühe umspannen konnte. Er hatte einen
kleinen runden Kopf, der nur noch spärlich mit weißen Haaren besetzt
war. Auf der ebenfalls rundlichen, und zudem noch leicht rotgeäderten
Nase saß ein goldgerandete Nickelbrille, hinter der sich zwei klare,
blaue Augen verbargen. Sein breiter, roter Mund war gerahmt von
kräftigen Wangen und einem ausdrucksstarkem Kinn.


Henry vereinte in seiner äußeren Gestalt den Gelehrten ebenso wie
den Handwerker und es war durchaus angenehm, in anzusehen. Er brauchte
sich also keine Sorgen zu machen, daß ihm sein Äußeres bei der
Brautschau ein Hindernis sein sollte. Außerdem war er ein sehr
gepflegter Mann, der weder rauchte noch unmäßig trank. Zudem hatte er
einen auserlesenen Geschmack in fast allen Dingen.


Einer Heirat stand also nichts entgegen, außer das ihm die passende
Frau bisher noch nicht begegnet war. Dabei waren seine Ansprüche,
zumindest auf den ersten Blick, nicht allzu groß. Seine zukünftige
sollte ein akzeptables äußeres haben, sie durfte weder viel älter oder
jünger sein als er selbst, und sie sollte eine solide Bildung besitzen.
Es ging ihm ja nicht um eine billige Haushälterin, dazu hatte er ja die
gründliche Ms. Bixby. Henry wollte eine Lebensgefährtin, mit der er
sich an langen Abenden unterhalten konnte. Später, im Alter, wollte er
dann mit ihr die Welt bereisen, und sich all die Kulturen ansehen, von
denen er bisher nur gelesen hatte.


An einem regnerischen Sonntagmorgen beschloss Henry Hopkins, daß
endlich etwas geschehen müsse. Er war gerade aufgewacht und betrachtete
mit halb geöffneten Augen die Decke seines Schlafzimmers. Sie war in
einem warmen Ockerton gestrichen und hatte einige kunstvolle
Verzierungen aus weißem Stuck.


Lange ließ Henry seine Blicke an ihnen entlang schweifen, und wenn
er dann die Augen schloss, hatte er den Eindruck, er könne sie immer
noch sehen. Wenn er dann aber die Augen wieder aufschlug, hatte er
jedesmal den Eindruck, als sei der Raum höher geworden und die
Strukturen seien weiter von ihm fortgerückt. Wenn er es sich allerdings
recht überlegte, dann hatte er doch eher den Eindruck, als würde er in
sich zusammenschrumpfen.


„Wenn ich noch ein paarmal die Augen schließe und wieder öffne, dann
werde ich so klein wie eine Fliege sein. Oder vielleicht werde ich so
weit schrumpfen, bis ich endlich gar nicht mehr da sein werde. - Ob es
überhaupt jemand bemerken würde? Sicher- Mrs. Bixby würde sich bereits
heute Mittag wundern, wo ich denn nur geblieben bin. Noch nie ist in
meinem Haus etwas unerwartetes geschehen, so dass sie es sofort
bemerken würde. Aber ob sie traurig wäre? Und wenn ja- würde sie um
mich trauern? Oder nur um eine angenehme Anstellung? Ich bin immer gut
zu ihr gewesen und habe sie zudem auch sehr gut bezahlt. Sie ist ja
wirklich eine gute, warmherzige Frau, aber ob sie mich auch vermissen
wird? Und meine Familie? Die werden wohl erleichtert sein, das der
einzige Schandfleck in der Geschichte der Familie verschwunden ist und
vermutlich werden sie mich sogar aus der Familienchronik streichen.
Einzig Mutter wird wohl eine Träne für mich haben. Die anderen würden
sich allerdings sehr um das Haus des schwarzen Schafes bemühen: ein
amüsanter Gedanke! Auch die Patente wären sicher Gegenstand heftigster
Auseinandersetzungen. Denn selbst die Wolle eines schwarzen Schafes ist
noch ein paar Schillinge wert!“


Dies und ähnliches mehr dachte Henry während er in seinem Bett lag
und immer kleiner wurde. Er wollte nicht aus dieser Welt gehen ohne
etwas zu hinterlassen. Aber wenn er sich nicht bald aufraffen konnte
aufzustehen, dann würde er einfach wegschrumpfen und nicht einmal sein
Körper bliebe übrig. Doch Henry lag einfach da, wurde immer kleiner und
konnte nichts dagegen tun. Er hörte nur, das der Regen stärker wurde
und ein Gewitter aufzog. Henry dachte an die arme Mrs. Bixby. Kein
Wetter konnte sie davon abhalten zu ihm hinauszukommen um ihm den
Haushalt zu führen. Er hatte ihr schon oft gesagt, sie solle doch am
Wochenende zu Hause bleiben, aber sie bestand darauf am Wochenende
wenigstens für ihn zu kochen und einen Kuchen zu backen. Ihm war es
eher unangenehm, das sie diese Zeit, die eigentlich ihrer Familie
gehörte, bei ihm verbrachte. Und außerdem musste es ja auch sehr
anstrengend für sie sein. Denn erst kochte sie für ihre Familie, und
dann kam sie den weiten Weg hinaus, um für ihn zu kochen. Und Henry
fragte sich nun, ob Mrs. Bixby eigentlich selbst genügend Zeit hatte,
um eine ordentliche Mahlzeit zu sich zu nehmen. Seltsam, der Gedanke
war ihm bisher nie gekommen, aber er hatte nun das ungute Gefühl, das
es auch genau so war. Henry empfand auf einmal starkes Mitgefühl für
Mrs. Bixby, die heute zu allem Überdruss auch noch völlig durchnässt
sein würde, wenn sie bei ihm ankam. Vielleicht würde sie sich sogar
eine Erkältung holen. Aber bei genauerem Überlegen war das recht
unwahrscheinlich, denn seitdem sie für Henry arbeitete, hatte sie noch
keinen Tag wegen Krankheit gefehlt. Sie musste eine sehr gesunde Frau
sein.


Dennoch tat es Henry sehr leid, dass sie ausgerechnet bei einem
solchen Regenwetter vergeblich kommen würde. Henry würde bis zu ihrer
Ankunft weggeschrumpft sein, und eine völlig durchnässte Mrs. Bixby
würde überall nach ihm suchen. Vergeblich!


Henry hätte gerne gewusst, wie spät es war. Doch er war zu schwach,
zu klein um die schwere Armbanduhr vor die müden Augen heben zu können.
Er schloss die Augen und spürte wie er sich in Nichts auflöste, wie er
verschrumpfte. Es war gar nicht mehr nötig die Augen zu öffnen um sich
davon zu überzeugen, dass er bereits nicht mehr größer sein konnte als
eine Erbse. Er war bereits ein Nichts, ein unbemerktes Nichts und in
wenigen Minuten würde er ganz verschwunden sein. Die riesige Bettdecke
lag wie ein Felsen auf ihm und nahm ihm die Luft. Er japste und
schnaufte, aber es half alles nichts. Die Luftmoleküle waren bereits so
groß, das sie nicht mehr in seine Atemwege passten. Unaufhaltsam
schrumpfte Henry Hopkins zusammen, und dann, ganz plötzlich, war alles
vorbei!


„Oh Gott! So hatte ich mir das nicht vorgestellt!“ dachte Henry. Er
wusste nicht wo er war. Im Himmel, in der Hölle oder sonst irgendwo.
Das war ihm auch beinahe egal. Aber eines war ihm ganz sicher nicht
egal. Denn was er ganz gewiss nicht ausstehen konnte, war, wenn man ihn
an den Schultern packte und rüttelte und schüttelte. Es war ihm daher
so verhasst, weil sein Vater es so oft mit ihm gemacht hatte. Immer
wenn er als Kind etwas falsch gemacht hatte, musste er zu seinem Vater
gehen, um sich belehren zu lassen. Der hatte ihm dann minutenlange
Vorträge gehalten und Henry währenddessen unaufhörlich an den Schultern
gerüttelt, das ihm Hören und Sehen vergangen war.


Wie viel lieber hätte Henry von seinem Vater eine schallende
Ohrfeige erhalten, als dieses ewig gleiche Ritual über sich ergehen
lassen zu müssen. Aber sein Vater, der sich selbst offensichtlich für
einen begabten Pädagogen gehalten hatte, hatte für eine Bestrafung
durch Schläge nichts übrig gehabt.


Henry war sich jetzt sicher, das er in der Hölle war. Im Himmel
konnte niemand so gemein sein und ihn dermaßen an den Schultern
rütteln. Außerdem, wieso hätte ihn im Himmel eine weibliche Stimme
rufen sollen? Henry versuchte zu verstehen, was da gerufen wurde, aber
dazu musste er sich erst einmal mühevoll konzentrieren:


„Mr. Hopkins! Um Himmels Willen Mr. Hopkins- machen sie doch die Augen auf! Mr. Hopkins!“


Henry war verwirrt. Diese Stimme kam ihm doch sehr vertraut vor.
Aber er fürchtete sich, die Augen zu öffnen. Doch irgend etwas musste
jetzt geschehen, damit dieses elende Schütteln ein Ende fand. Henry
beschloss etwas zu sagen:


„Wo- wo bin ich?- Himmel oder Hölle?“


Henry erschrak. Denn erstens hatte er sich ziemlich blöde angehört, und zweitens klang seine Stimme sehr lebendig.


„Ach Mr. Hopkins! Was reden sie denn da? Sie sind doch hier, in
ihrem Schlafzimmer! Ich bin’s ja nur. Mrs. Bixby, Ihre Haushälterin!“
Und dann hörte Henry nur noch ein Schluchzen und Weinen und er spürte
wie sich jemand neben ihm auf die Bettkante setzte.


Er schlug die Augen auf und die Überraschung hätte nicht größer sein
können. Er lag in voller Größe in seinem Bett und lebte. Auf der
Bettkante saß- Mrs. Bixby. Sie hatte beide Hände vor’s Gesicht
geschlagen und weinte bitterlich.


„Aber aber, was ist denn nur passiert?“ Henry war sich noch nicht
ganz sicher ob er wirklich noch lebte, aber so wild wie sein Herz
schlug, deutete alles daraufhin. „Nun beruhigen sie sich doch
Mrs.Bixby! warum weinen sie denn so?“ Henry legte eine Hand auf Mrs.
Bixbys Schulter und drückte ganz sachte zu. Es war eine sehr
beruhigende Geste und Mrs. Bixbys Schluchzen wurde augenblicklich
ruhiger und verstummte schließlich ganz. Mrs. Bixby kramte umständlich
in ihrer Handtasche, zog endlich ein Taschentuch heraus und schneuzte
sich kräftig.


Inzwischen dämmerte Henry was geschehen war. Er war nicht
zusammengeschrumpft und er war auch nicht gestorben. Seine Einbildung
hatte ihm lediglich einen Streich gespielt, wobei allerdings die Folgen
so täuschend echt gewirkt haben mussten, das die arme Frau Bixby zu
Tode erschrocken war.


„Liebe Mrs. Bixby, so beruhigen sie sich doch! Es ist ja nichts
geschehen- oder?“ Und schon begann Mrs. Bixby erneut zu weinen. Diese
heftige Reaktion verwunderte Henry nicht wenig und veranlasste ihn zu
der Frage: “Aber Mrs. Bixby, um Himmels Willen, warum weinen sie denn
so?“ Dabei hatte Henry ihre Hand zwischen seine Hände genommen und
tätschelte sie beruhigend. Ihre Hand war eiskalt und Henry ahnte, wie
sehr sie wohl erschrocken war. Ihr Gesicht war kreidebleich und
tränenüberströmt.


„Ach Mr. Hopkins! Ich dachte ja sie - sie seien - seien vielleicht…“
Hier wurde sie von einem erneuten Weinkrampf unterbrochen. Sie konnte
sich nicht mehr beherrschen und weinte hemmungslos. Henry saß ratlos
daneben und wusste nicht wie er ihr helfen sollte. Da ergriff er
einfach die Methode, die auch ihm selbst immer am besten geholfen hatte.


Er setzte sich aufrecht neben Mrs. Bixby, legte einen Arm um ihre
Schulter, zog ihren Kopf auf seine Brust und hielt sie einfach fest.
Mrs. Bixby ließ es einfach geschehen und weinte sich in seinen Armen
aus. Während sie so vor sich hin weinte, fragte sich Henry, warum die
gute Frau sich so erschrocken hatte. Er konnte sich nicht vorstellen,
warum die Vorstellung von seinem Tode dieser Frau so nahe gehen sollte.
So in Gedanken verloren begann Henry ihr mit der Hand über das Haar zu
streichen. Es war ganz nass vom Regen, das bemerkte er erst jetzt. Aber
das Haar war sehr weich und roch wirklich gut, auch das bemerkte er. So
saßen sie nun eine ganze Weile und Mrs. Bixby hatte sich längst wieder
gefasst. Sie machte allerdings keinerlei Anstalten sich aus Henrys
Umarmung zu befreien und Henry war offensichtlich nicht gewillt, sie
von sich aus loszulassen. Beide fürchteten sich offenbar vor dem
Augenblick, in dem einer von Beiden etwas sagen würde oder in dem sie
sich wieder ansehen mussten. Schließlich gab Henry sich einen Ruck und
Mrs. Bixby frei. Ohne ein Wort zu sagen stieg er auf der ihr
abgelegenen Seite aus dem Bett und zog sich langsam und umständlich den
Bademantel über, wobei er ihr den Rücken zukehrte. Dadurch wollte er
ihr Gelegenheit geben sich unauffällig ein wenig in Ordnung zu bringen.
Ihr wäre es sicher peinlich gewesen, wenn er sie in ihrem aufgelösten
Zustand angesehen hätte. Und während er in seine Hausschuhe schlüpfte
hörte er Mrs. Bixby in ihrer Handtasche wühlen. Henry trat ans Fenster
und sah in den herbstlichen Garten hinab. Inzwischen hatte es aufgehört
zu regnen und der Wind trieb das bunte Laub spielerisch über den Rasen.


„Wissen sie, Mrs. Bixby, während ich mich wasche und anziehe, könnte
sie uns einen kräftigen Tee kochen. Den werden wir dann in aller Ruhe
zusammen trinken. Und wenn sie möchten, dann trinken wir auch noch
einen Schluck alten Portwein, um diesen Schreck hinunterzuspülen.“


Henry erschrak über seine blecherne Stimme, aber sein Mund war ja
auch ganz trocken. Hoffentlich empfand sie sein Angebot nicht als zu
aufdringlich, denn sie hatten in den letzten fünf Jahren noch nie
zusammengesessen und Tee getrunken, geschweige denn sich unterhalten.
Erst jetzt fiel Henry auf, wie wenig er über diese Frau wusste.


Hinter sich hörte er ein leises Räuspern. Mrs. Bixby hatte offensichtlich ihre Fassung wiedergewonnen.


„Gerne Mr. Hopkins. Einen Tee- ja, den könnte ich jetzt wirklich gebrauchen…“


Es entstand eine kleine Pause. Aber beide waren zu verlegen um etwas
zu sagen. Henry hörte wie Mrs. Bixby aufstand und das Zimmer verließ.


„Ich weiß nicht einmal ihren Vornamen“ dachte Henry „es ist
unglaublich, das ich nichts von ihr weiß. Ich muss mich unbedingt
einmal mit ihr unterhalten.“


Eilig, aber nicht hastig wusch sich Henry. Dann rasierte er sich
auch noch, obwohl er sich sonst an den Wochenenden nie zu rasieren
pflegte. Das war eine alte Angewohnheit und das Unrasiertsein an den
Wochenenden bedeutete Henry, das er von allen Pflichten befreit war und
er wirklich frei hatte und ausspannen konnte. Ganz entgegen seinen
Gewohnheiten benutzte er sogar Rasierwasser. Dann ging er ins
Schlafzimmer zurück und begann sich anzukleiden. Er wählte einen Anzug
aus weichem Leinen, ein weißes Hemd und eine moosgrüne Seidenkrawatte.
Dann zog er noch die braunen, italienischen Schuhe an und betrachtete
sich im Spiegel.


„Gut gemacht alter Junge!“ dachte er sich und er sah wirklich gut
aus. Erstaunt stellte er fest, das er inzwischen gute Laune hatte, und
das, obwohl sein Tag so merkwürdig begonnen hatte. Vergessen war das
Gefühl vom Morgen, als er gedacht hatte, er sei eine völlig unwichtige
Person, an die sich niemand mehr erinnern würde, wenn sie einmal starb.
Doch Mrs. Bixbys Tränen hatten ihm gezeigt, das er nicht allen Menschen
gleichgültig war. Zumindest ein Mensch schien ihn zu mögen, oder sich
wenigstens an ihn gewöhnt zu haben. Jetzt wollte er noch herausfinden,
was von beidem der Fall war.


Wirklich gut gelaunt und ein Liedchen pfeifend stieg Henry die
Treppe hinab, der Küche entgegen, aus der das Geschepper von Töpfen und
Porzellan zu ihm hinüber klang.


ENDE

P.S.: Mit dieser kleinen Geschichte aus den Untiefen meines
Schreibtisches, gratuliert blogoli sich selbst zum “ersten Geburtstag”
und wünscht allen Bloggern eine gute Nacht ;-)



Nacht

Nacht

Wind fegt durch meine Seele
und bläst mir die Gedanken auf.
Und kaum das ich es sehe
nehmen sie gewohnten Lauf!

All die Sachen, alle die Dinge
die mir hier Umgebung sind,
was ich mit Verstand erringe,
alles ist Gedanken Kind.

Und kein Gedanke den ich trage,
kein Gefühl das ich vespür
hätt’ ich jemals hell am Tage,
nur die Nacht bringt’s mir herfür.

Drum dank ich all den dunklen Stunden
die ich zitternd hier gewacht,
hätte niemals so empfunden
wär sie nicht -
die stille Nacht.

Sprache

Sprache

Satz
Wort
Silbe
Ton
formen den Gedanken schon.

Gedanken hinken hinterher,
Sätze machen ist so schwer.

Ton
Silbe
Wort
und Satz,
machen auf Gedanken Hatz !

Dorade im Knoblauchmantel

Ich habe Euch ja weidlich daran teilhaben lassen, wie gut es mir mitunter geht.

(hier, hier und hier)

Wenn ich auch fälschlicherweise behauptet habe es hieße "Dorade in Knoblauchkruste", so ändert das nichts daran, wie lecker es war. Um Euch nun daran wirklich teilhaben zu lassen der Link zum Rezept. Und auf Nachfrage erklärte meine Frau, sie habe es auch genauso gemacht (was erstaunlich ist, da sie eigentlich kein Rezept unangetastet lässt).


Dorade im Knoblauchmantel
Über die Unterschiede zwischen den Brigitte-Fotos und meinen Fotos braucht ihr Euch keine Gedanken zu machen, ich mach mir auch keine;-)
Denn das unsere Fische gegessen wurden ist bewiesen!