Skip to content

Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser!

Nach der Tötung des Amerikaners Georg Floyd haben auch wir in Deutschland die Wiederbelebung zweier Diskussionen. Da ist die #BlackLivesMatter Bewegung gegen Rassismus auf der einen Seite, und auf der anderen Seite eine Diskussion ums Gewaltbereitschaft und Rassismus innerhalb unserer Polizei.
Letzteres - die Diskussion über Polizweigewalt und Rassismus innerhalb der Polizei wurde nun durch ein Interview der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken befeuert.
In einem Interview mit der Funke Mediengruppe sagte Esken, auch in der Polizei gebe es einen “latenten Rassismus” . Weiterhin sagt sie: Auch in Deutschland gebe es latenten Rassismus in den Reihen der Sicherheitskräfte, der "durch Maßnahmen der Inneren Führung erkannt und bekämpft werden" müsse und schlägt vor: "Deshalb muss eine unabhängige Stelle mit der Bearbeitung solcher Beschwerden betraut werden."
Als ich auf dieses Interview zunächst auf Twitter aufmerksam wurde war gleich mein erster Gedanke: Oha - mal sehen wie lange es dauert, bis
a) die ersten “Solidaritätsbekundungen” für unsere Polizei geäußert werden, die diese “Unterstellung” oder diese “Kritik” zurückweisen und
b) man Frau Esken vorwirft, der Polizei “in den Rücken zu fallen” .

Nun - es dauerte nicht einmal Minuten

Doch - was hat Frau Esken eigentlich gesagt, und was sagen eigentlich die Kritiker von Frau Esken, indem sie ihr Ansinnen so schnell und oftmals brüsk zurückweisen.

Und welches der beiden Lager steht eigentlich wirklich hinter der Polizei und vor allem, wer steht denn da tatsächlich auf der Seite der Gewaltenteilung, des Grundgesetzes und letzten Endes auf der Seite der Bürger, zu denen ich explizit die Polizistinnen und Polizisten insofern hinzuzählen möchte, denn sie sind sowohl Bürger und Bürgerinnen unseres Landes als auch Teil der Exekutive - haben also ein mehrfaches Interesse daran, dass unsere Polizei sowohl im rechten Licht gesehen wird, als auch, dass unsere Polizei in dem Sinne agiert und funktioniert, wie es in einem demokratischen Rechtsstaat mit Gewaltenteilung und gegenseitiger Kontrolle der Gewaltenteilung sein soll.

Was also hat Frau Esken gesagt?


Zunächst stellt sie fest, es gebe in Deutschland innerhalb der Polizei einen “latenten Rassimus”. Hier ist es aufschlussreich, sich einmal den Sinn des Wortes “latent” anzuschauen.

“latent”: vorhanden, aber [noch] nicht in Erscheinung tretend; nicht unmittelbar sichtbar oder zu erfassen. Beispiel: "eine latente Gefahr"

Frau Esken sagt also, es gebe in der Polizei einen “nicht sichtbaren” aber dennoch vorhandenen Rassismus.
Mir erscheint das nicht ungewöhnlich so etwas zu sagen. In unserer Gesellschaft jedenfalls gibt es Rassismus. Darüber muss man sich in feinster Weise weiter unterhalten: es gibt ihn.
Nun rekrutieren sich unsere Polizeiangehörigen aus eben dieser Gesellschaft. Noch zudem wollen und haben wir eine bürgernahe Polizei. Und das ist gut so.
Ohne das noch weiter auszuarbeiten: aber eine “Bürgerpolizei”, die aus und in unserer Gesellschaft lebt, sollte sich zwangsläufig in irgendeiner Art und Weise der Gesellschaft ähneln, in der sie existiert. In diesem Zusammenhang daran zu denken, dass es ebenso wie im Rest der Gesellschaft eben auch in der Polizei einen latenten - also einen vorhandenen, nicht oder wenig sichtbaren Rassismus gibt - das ist eigentlich keine besondere Intelligenzleistung. Eher habe ich das Gefühl, es gehört entweder eine Menge Phantasie oder eine Menge Ignoranz dazu, anzunehmen oder zu behaupten, es könne das innerhalb der Polizei nicht geben.
Insofern empfinde ich diese Äusserung von Frau Esken zunächst mal als nichts weiter, als eine recht triviale Feststellung!
Dazu wollen wir ja nicht vergessen, das es für diesen azunehmnenden Fakt zahlreiche Beweise gibt. Es gibt Rassismus in der Polizei. Und zwar nicht nur einen latenten, nicht sichtbaren, nur mutmaßlichen Rassismus, sondern echten Rassismus. Hier bitte ich einfach mal die Diskussionen der letzten Jahre zu beachten zur Politei Hessen beispielsweise. Die vielen Fragen rund um das Thema NSU zu bedenken. Die Videos von Polizeigewalt, besonders aber jene Videos von Polizweigewalt gegen Menschen anderer Hautfarbe zu beachten. Es gibt ganz augenscheinlich also dokumentierte Fälle von Rassismus innerhalb der Polizei.
Die Frage ob es Rassismus oder “latenten” Rassismus innerhalb unserer Polizei überhaupt gibt, ist damit m.E. hinfällig und ich betone noch einmal: Es gibt ihn!
Ich möchte das noch einmal betonen: das es Rassismus, und nicht nur latenten Rassismus sonder offen sichtbaren Rassismus innerhalb der Polizei gibt ist offensichtlich.
Und wie könnte es denn auch anders sein? Unsere Polizei ist ein Abbild unserer Gesellschaft. Auch in der Zivilgesellschaft gibt es Rassismus - wie könnte es diesen innerhalb der Polizei nicht geben?
Die Frage ist also nicht, ob es diesen Rassismus gibt, vielmehr müssen wir uns fragen: Was bedeutet es, Rassismus innerhalb der Polizei zu erleben. Wie verbreitet ist dieser Rassismus, wie zeigt er sich, wie versteckt er sich, wie verbreitet ist er, wie begegnet man ihm innerhalb der Polizei und ist Rassismus innerhalb der Polizei genau so problematisch wie in der Zivilgesellschaft oder ist er vielleicht innerhalb der Polizei als problematischer zu betrachten?
Am Anfang steht also eine Feststellung, die man nur schwerlich bestreiten kann. Im weiteren stehen viele Fragen im Raum, über die man sprechen kann - ja sprechen muss. Und hier wird die Diskussion nun wirklich problematisch, denn unweigerlich kommen wir zu der Frage des Vertrauens und dem eigentlichen Kernproblem.
Es ist das Kernproblem der Debatte aus Sicht der Bürger und es ist das Kernproblem der Debatte aus Sicht unserer Polizistinnen und Polizisten. Und es ist in höchstem Maße problematisch, wie diese Kernfrage übersehen wird, wie diese Kernfrage aus nachvollziehbaren aber eben falschen Motiven im Keim erstickt wird.
Was ich damit meine?
Die reflexhaften Antworten auf eine nahezu banale Feststellung!

Vertrauen

Vertrauen ist ein Grundpfeiler von gelingenden Beziehungen. Dazu sind Verlässlichkeit, die Erwartbarkeit von Handlungen, gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme und auch die stete Überprüfung der Grundlagen einer Beziehung unerlässlich.
Unser Gemeinwesen basiert auf unterschiedlichen, fundamentalen Prämissen und eine davon ist es, dass die Bürgerinnen und Bürger ihre Stimmen, ergo ihre Macht auf andere übertragen. Im Zentrum allen Handelns stehen aber die Bürgerinnen und Bürger, ihre Bedürfnisse und ihr Wohlergehen - und zwar ohne Unterschied von Geschlecht, Religion, politischer Gesinnung oder weiteren Merkmalen, wie z.B ethnische Zugehörigkeit oder Abstammung.
Damit das funktioniert, haben wir nicht nur die Gewaltenteilung, Sonden auch ein vielfältiges Instrumentarium an gegenseitiger Kontrolle, denn nur so ist gewährleistet, dass Prozesse sich nicht verselbstständigen, Handeln transparent und kontrollierbar bleibt und das staatliche Handeln insgesamt stets darauf geübt werden kann, ob es den Grundsätzen entspricht.
In der Politik wählen wir unsere Vertreter. Und wir wählen sie entweder ein weitere Mal - oder wir wählen jemand anderen. In Bezug auf die stattlichen Institutionen haben wir selten eine periodische Besetzung der Posten. Wer einmal Polizist ist, bleibt es in der Regel auch. Ebenso Richter, Verwaltungsbeamter, Lehrer oder sonst wer, der hoheotliche Aufgaben übernimmt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass wir hohe Anforderungen an diese Menschen stellen, dass Ihr Handeln hochgradig geregelt ist und - im Grunde eine Selbstverständlichkeit - dass deren Handeln stets ausführlich dokumentiert und ergo nachvollziehbar ist (Aktenvermerk Bürokratie ist also im Grunde etwas durchaus Positives).
Eine permanente Prüfung allen staatlichen Handels findet im Grunde genommen also statt. Nur - ist ds immer ausreichend? Gibt es bei der Ausübung dieser Kontrolle Schwierigkeiten? Besonderheiten? Versäumnisse?
Das wäre generell fatal und ein Anlass zu Sorge.
Wir sind darauf angewiesen uns gegenseitig zu Vertrauen, daher prüfen wir uns regelmäßig, vergewissern uns, achten darauf, dass Vertrauen kein blindes Vertrauen ist. Das ist ein Schutz - ein Selbstschutz. Und auch im Privaten tun wir dies.
Insofern ist es nicht nur notwendig staatliches Handeln zu überprüfen, sondern es ist auch sinnvoll, dies möglichst unabhängig und unvoreingenommen zu tun.
Der Vorschlag von Saskia Esken, diese Überprüfung einer unabhängigen Instanz anzuvertrauen ist also durchaus sinnvoll, denn Institutionen, die sich selbst überprüfen könnten schnell unter den Verdacht geraten, dass diese Prüfungen im Zweifelsfalle den eigenen Zwecken dienen.
Mal ganz ehrlich - ich fahre mein Auto ja auch zum TÜV und bescheinige nicht selbst, dass es verkehrstauglich ist. (Das wäre in meinem Fall, der ich nichts von Autos verstehe ganz sicher nicht in Eurem Sinne).
Vertrauen in die Polizei zu haben ist für uns alle ungeheuer wichtig. Wir vertrauen ihr ein Gewaltmonopol an, dass sehr weitreichend ist, bis hin zum Einsatz körperlicher Gewalt. In Zusammenarbeit mit den Einrichtungen des Rechts kann die Polizei Menschen festnehmen, in Wohnungen eindringen und Vieles mehr. Sie beschützen uns, sorgen für Sicherheit und brauchen dazu weitgehende Möglichkeiten und Befugnisse - und ich möchte der Polizei diese Befugnisse gerne guten Gewissens anvertrauen. Im Grunde mag ich das, denn es entlastet mich. Mein Alltag in Deutschland verläuft ohne Angst. Ich bin nicht bedroht, ich kann mich frei bewegen, ich kann politisch aktiv sein. Ich bin sehr frei, eben auch, weil ich in einem Land lebe, in dem z.B. eine gute Polizei haben. Wir sollten das bewahren, denn die Polizei ist in der Tat ein Freund und Helfer, wobei das allermeiste von dem, was die Polizei für einen jeden von uns tut, in unserem persönlichen Alltag völlig unbemerkt an uns vorüber geht.
Es ist daher für mich persönlich wichtig, dass ich dr Polizei vertrauen kann. Und damit die Polizei Ihre optimale Leistung erbringen kann, ist es für die Polizei ebenfalls extrem wichtig zu wissen, dass die Bürger wiederum ihr Vertrauen. Es gibt ihr Rückhalt und dieses Vertrauen verleiht ihr einen großen Teil ihrer Autorität.
Ich bin daher der festen Überzeugung, dass die Polizei selbst ein hohes Interesse a halt dieser Vertrauensbeziehung hat und ein hohes Interesse daran, nicht in den Verdacht zu geraten, dieses Vertrauen nicht zu verlieren.

Die Mehrheit aller Polizistinnen und Polizisten ist nicht rassistisch

Das ist eine sehr ambivalente Aussage in meinen Augen. Sie impliziert nämlich, es könnte anders sein und Gott bewahre - das will ich nicht hoffen, nicht mal ansatzweise denken.
Die Tatsache allerdings, dass es Rassismus innerhalb der Polizei gibt impliziert selbstverständlich die Aufforderung hinzuschauen: Wann, wo, wie oft tritt dieser Rassismus zu Tage. Gibt es spezielle Strukturen, in denen dieser Rassismus eher auftritt? Gibt es regionale Unterschiede? Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen jungen und alten Polizisten? Und wie viele Fälle sind es denn? Ist es eine Größenordnung die tatsächlich geeignet ist, das Vertrauen in die Polizei zu hinterfragen? Oder bewegt sich das in einem Rahmen, der gewissermaßen Gesellschaftsimmanent ist und den man einfach nicht vermeiden kann?
Auf diese Fragen hätte ich gerne Antworten, denn es sind wichtige Fragen. Wichtige Fragen für mich und wichtige Fragen für die Polizei selbst, denn die geben Aufschluss darauf, wie vertrauenswürdig die Beziehung zwischen Polizei und Bürger sein kann.
Mehr aber noch sind andere Fragen wichtig:
Wie genau ist der Umgang mit dem Thema innerhalb der Polizei und derjenigen, deren Aufgabe es ist die Polizei und ihr Handeln zu prüfen. Wird da was kleiner gemacht was größer ist? Ist der Rassismus innerhalb der Polizei irgendwie nur peinlich und man möchte da nicht so gerne drüber sprechen? Oder ist es doch ein größeres Problem, dass man aber nicht zugeben möchte?
Oder ist es ein weiterverbreitetes Phänomen, ein strukturelles Problem, haben wir eine Polizei, die eben nicht unabhängig und neutral ist?
Alleine das man diese Fragen stellen KANN ist ein Problem und das sollten wir im Interesse der Polizisten und Polizistinnen nicht zulassen. Ich bin der festen Überzeugung, ein transparenter, unabhängiger Umgang mir Rassismus innerhalb der Polizei, eine schonungslose Offenheit sind der beste Schutz und die beste Unterstützung für diese Menschen, denen wir nicht nur unsere Macht und unsere Gewalt übertragen haben, sondern die diese Verantwortung unter dem Einsatz ihrer eigenen Gesundheit und zahlreicher Opfer auf sich nehmen.
Meines Erachtens setzt sich, wer echte und nachhaltige Unterstützung für die Polizistinnen und Polizisten geben möchte dafür ein, zu jeder zeit und an jedem Ort alle Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Polizei auszuräumen! Es wäre zugleich eine hohe Form der Anerkennung, die Polizei vor jeglichem Verdacht zu schützen und es wäre eine wichtige Stütze für die Autorität der Polizei.
Wenn also auf solche Äußerungen, wie jetzt zum Beispiel auf das Interview von Saskia Esken, stets erst einmal im Reflex ein Rassismus innerhalb der Polizei geleugnet wird und man stattdessen Frau Esken an den Pranger stellt, dann verhindert man einen offenen Umgang mit einen Rassismus der schlicht ein Fakt ist. Man versagt der Polizei die Unterstützung, die ihr guttun würde und die nachhaltig wäre, nur weil man schnell und aus Eigennutz seine rückhaltlose Solidarität mit den Polizisten und Polizistinnen erklären möchte.
Sorry - aber das ist wohlfeil und populistisch.
Ich plädiere hier für eine Debatte unter anderen Vorzeichen - unsere Polizistinnen und Polizisten haben nämlich mehr verdient als lautes, aber inhaltsleeres Geplapper von Solidarität und hohler Anerkennung. Sie haben genau jene Hilfe und Unterstützung verdient, die sie im Gegenzug oftmals unerkannt für uns leisten.
Ich bin für eine unabhängige Einrichtung, die polizeiliches Handeln prüft - das wäre echte Solidarität, echter Schutz und echte Anerkennung.

Fazit

Es ist eine nahezu banale Feststellung: Es gibt Rassismus innerhalb der Deutschen Polizei.
Das ist auf vielen Ebenen problematisch, aber noch problematischer als die Frage ob es diesen Rassismus gibt, ist die Frage unseres Umgangs mit diesem Rassismus innerhalb der Polizei.
Die unklügste, nein - die dümmste Antwort ist es sicher, stur weiter zu behaupten es gäbe diesen “latenten” Rassismus in der Polizei nicht. Diese Aussage ist schlicht falsch und unhaltbar.
Die zweitdümmste Antwort is es zu behaupten, diesen Rassismus gäbe es nicht in nennenswerter Anzahl oder in nennenswertem Ausmaß und das Problem sei nicht so groß.
Denn diese beiden dümmsten Reaktionen verhindern die ehrliche und objektive Auseinandersetzung mit der Thematik.
Anstatt alles daran zu setzen Licht ins Dunkel zu bringen, wird beschwichtigt, negiert, geleugnet. Und m.E. ist das die schlimmste Art den Polizisten und Polizistinnen in den Rücken zu fallen: Anstatt schonungslos aufzuklären, zu zählen, Fakten beieinander zu tragen und es zu zeigen, zu beweisen, dass die absolut größte Mehrheit unsere Polizisten und Polizistinnen genau das tun, wozu sie diesen Beruf ergriffen haben und wozu sie durch uns legitimiert wurden, anstatt also transparent und im Sinne der Polizistinnen und Polizisten Aufklärung zu betreiben, wird immer wieder reflexhaft das Problem geleugnet und das Mistrauen am Leben gehalten anstatt das Vertrauen zu stärken.
Es ist ein Bärendienst an der Polizei und ein Bärendienst an der Bevölkerung, sich einer offenen, transparenten und über jeden Zweifel erhabenen Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus innerhalb der Polizei zu verweigern.
Wir alle sind auf eine Polizei angewiesen, die höchstes Vertrauen geniesst. Eine Polizei, bei der die Polizistinnen und Polizisten stolz darauf sein dürfen, Teil dieser Institution zu sein. Eine Polizei, die im besten Sinne mit und für die Bürger da ist, Teil der Gesellschaft, des Alltags ist, Respekt genießt und Vertrauen. Und somit eine Instanz mit Autorität und Integrität.
Und so ist sie ja - unsere Polizei. Also gibt es nichts zu verbergen.
Abschliessend noch ein letzter Gedanke:
Niemand - kein Mensch, keine Institution, keine Einrichtung ist ohne Fehler. Auch die Polizei ist da iaht ausgenommen. Dennoch müssen wir an alle stattlichen Einrichtungen höchste Ansprüche stellen, geht mit den Arbeit höchste Verantwortung einher.
Ich brauche dabei keine 100% fehlerfrei Polizei. Worauf ich aber ein Anrecht habe ist eine Polizei, die tadellos ist. Und diese Tatenlosigkeit kann die Polizei unter Beweis stellen in ihrem täglichen Handeln und besonders im Umgang mit Fehlern, mit Transparenz, Offenheit und Bürgernähe. Wir sollten unsere Polizei in diesem Sinne unterstützen.

Wir müssen über Freiheit reden!

Man sagt es ihnen nach - den Deutschen - dass sie obrigkeitshörig sind, Regeln nicht nur befolgen, sondern Regeln über Alles stellen. Ein Land voller Blockwarte, das sich gegenseitig kritisch beäugt und nicht vor Denunziation zurückschreckt. Wir haben da so unsere eigenen Erfahrungen ...

Ja - auch ich sehe zur Zeit, dass die Ein oder Andere persönliche Freiheit zurückstehen muss, Das Vieles berechtigterweise einem Ziel untergeordnet wird - nämlich den Verlauf des Coronavirus und seiner Ausbreitung möglichst zu verlangsamen, zu kontrollieren und in "beherrschbare" Bahnen zu lenken. Da wird sinnvolles verordnet und vorgeschrieben und scheinbar hält sich die große Mehrheit daran. Ist einig in dem Ziel, möglichst wenig Menschen sterben zu lassen und das ist gut so. Es hat meine Unterstützung und mein Einverständnis!

Dennoch müssen wir in dieser Situation auch über Grenzen reden. Und zwar über die Grenzen staatlichen Eingreifens in unser Leben, in unsere Privatsphäre, in unsere Freiheit.

Wie so oft im Leben reden wir hier von Abwägungen, die so einfach nicht zu treffen sind. Im Raum steht die Frage: Was ist ein Menschenleben wert und was darf ich tun, um ein Menscheneben zu retten.
Im Grunde wäre die Frage einfach zu beantworten: Alles!
Denn wer will schon Richter und Henker zugleich sein? Wer will sich anmaßen, den Wert des einen Lebens gegen den Wert eines anderen Lebens aufzurechnen?
Dieses Dilemma kann ganze Genereationen von Philosophen und Ethikern beschäftigen und im Grunde übersteigt sie auch mein eigenes, bescheidenes Denkvermögen. 

Alles? Darf - soll man wirkich Alles tun um ein Menschenleben zu retten?

Hier wird es kompliziert. Denn die Frage ist abstrakt. Auf der einen Seite die Frage nach einem eher abstrakten Menschenleben. Denn welches es ist, weiss ich nicht, auch nicht, welches das nächste ist.
Auf der anderen Seite ist es ganz konkret meine persönliche Freiheit die beschnitten wird. Das ist konkret, das ist unmittelbar.

Natürlich ist es mir klar, das es auch um meine ganz persönlichen und mit mir lebenden Menschen geht. Meine Mutter, meine Schwiegermutter, meine ältere Nachbarin. Auch das ist konkret - und doch auch abstrakt. Denn die Bedrohung durch den Virus ist ebenfalls zunächst abstrakt. Nicht sichtbar, nicht zu fühlen, nicht zu riechen.

Und dann steht da die Frage im Raum - ist das Alles so richtig. Und diese Frage wird größer, wenn wir an die Gesamtkosten der Freiheitsbeschränkung denken. Die Freiheitsbeschränkungen jetzt und die Freiheitsbeschränkungen der Zukunft, die wir nicht kennen. Die "Kosten" jetzt und die Kosten in der Zukunft, die wir ebenfalls noch nicht kennen.

Wie kann man Menschenleben gegen zerstörte Existenzen aufrechnen? Wie viele Menschen müssen, sollen, dürfen ruiniert werden für im Gegenzug wie viele gerettete Menschenleben?

Die Zusammenhänge bleiben verschwommen, die Betroffenheiten sind mehr oder weniger stark. Aber Maßnahmen werden getroffen auf Grundlage der Übereinkunft, wir wollen nicht sterben lassen. Bestandteil einer solchen Übereinkunft müssen aber auch Grenzen sein. Ohne Grenzen keine Übereinkunft, denn es ist ein Handel, bei dem man wenigstens ungefähr wissen muss - was bekomme ich für das, was ich gebe.

Weitergehende Einschränkunge der Freiheit, Überwachung, Aushebelung von Datenschutz und Privatsphäre stoßen da schnell an ihre Grenzen und dürfen bestenfalls gar nicht, höchstens auf Zeit eingegangen werden. Und unbedingt gekoppelt an die Gewissheit, dass diese sehr intimen und daher sehr unmittelbat freiheitsbeschränkenden Maßnahmen nur zeitlich befristet gelten können.

Problem: In einer datengetriebenen Welt ist das per se mit Mistrauen behaftet und niemand kann glaubhaft versichern, diese Einschränkungen wirklich nur jetzt, nur zeitlich befristet einzusetzen. Das Vertrauen haben sich sowohl der Staat als auch die Wirtschaft schon lange verspielt.

Also müssen wir - obwohl es drängt - us Zeit nehmen zu reden. Zu verhandeln. Wir haben Erklärungen einzufordern und wir haben für Versicherungen zu sorgen. Wir müssen diskutieren und kontrollieren. Wir müssen uns dagegen wehren, unter dem Deckmantel der Notwendigkeit unsere Freiheit bereitwillig herzugeben.

Es ist keine Quertreiberei, jede Maßnahme kritisch zu hinterfragen, sie sogar in Frage zu stellen. Es ist geradezu Bürgerpflicht, an der Verhandlung von Grenzen teilzunehmen und nicht blindlings der Führerschaft der Autokraten, Bürokraten und Volksvertreter zu vertrauen.
Starken Persönlichkeiten muss man Vertrauen schenken. Zugleich aber muss man ihnen gegenüber mistrauisch sein.

Es geht um jeden einzelnen von uns - und das bedeutet sehr viel. Es sind ganze Leben, ganze Biografien, ganze Lebenslinien und ganze Familien, die von all diesen Entscheidungen betroffen sind. 
Wir sollten uns der Verantwortung stets stellen und mit kritischen Fragen, aber wenn nötig auch mit der Verweigerung unserer Zustimmung reagieren.

Eine Freiheit die einmal genommen wurde schränkt zugleich alle anderen Freiheiten ein. Also - Augen auf - hartnäckig Fragen stellen und nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen durch all die Angst, die man uns einredet.

Wenn kein Leben mehr Wert ist als ein Anderes, dann ist Deines eben genau so viel wert.
Tot oder lebendig.

Krise? Krisenmodus!

Der Virus hat das ganze Land im Griff. Deutschland steht still, alle Gesetze der Wirtschaft und des Marktes wurden durch Verordnungen und Anweisungen außer  Kraft gesetzt.

Menschen sitzen in Wohnungen und Häusern, meiden Büros, dürfen nicht in Geschäfte. Industrieunternehmen stehen still. Alleine Verwaltung, Teile des Handels, wenige Branchen arbeiten weiter.
Es ist im Grunde eine dystopische Szene, dieses Deutschland zu Beginn des Jahres 2020. 

Nur ein einziges Thema - Corona - nicht nur hier, nein weltweit.

Es ist eine Zäsur. Gewissheiten sind keine. Ungewissheiten sind gewiss. Die Fehler der Vergangenheit schwimmen oben auf der Wahrnehmung wie die ungeliebte Haut auf dem Pudding. Zäh - nicht schmackhaft. Manche ekeln sich davor.

Und in der abgeschotteten Gesellschaft, in der Öffentlichkeit verboten ist, Menschen nicht beieinander sein dürfen, geschieht sonderbares.

Die Menschen rücken nämlich unter dem Eindruck der schier unüberwindbaren Größe dieser Krise zusammen. Weil Menschen das eben so machen, wenn sie spüren, dass sie alleine nichts sind und nur das Wir das Überleben garantieren kann.
Menschen rücken dann zusammen und schlagen sich nicht tot, wie man ja vielleicht auch erwarten könnte.

Und wenn sie nicht körperlich beieinander sein dürfen, dann - Neuland sei Dank - rücken sie auf anderen Wegen zusammen. Sie werden kreativ, teilen ihr Kräfte und Begabungen, organisieren und helfen, musizieren und leben Poesie. In Bildern, Worten und Videos.
Mitunter könnte fast der Eindruck entstehen, in diesem Internet rückten die Menschen enger zusammen, als sie es im echten Leben jemals könnten. Aber woher kommt das?

Nun - im Grunde ganz einfach: in diesem Internet finden und kumulieren sich die guten Seiten. Das schlechte, das riechende und wenig ansehnliche bleibt ja zuhause, die Kommunikation beschränkt sich auf das Handeln und das Lösen von Problemen. Und wer Debatten hierüber führen möchte, ist eben auch schnell wieder raus. Jetzt ist die Zeit zu handeln, sich zu organisieren, Verabredungen zu treffen, Anderen zu helfen.

Denn Eine Gewissheit feiert eben auch ein Comeback - wer Anderen hilft, dem wird geholfen. Diese alte Mär der Solidarität schleicht sich von hinten wieder in eine Gesellschaft, deren größte Probleme gestern noch die Farbe der neuen Schuhe oder die PS- Zahl des neuen Autos waren.

Da verschiebt sich etwas. Krisenbedingtes zusammenrücken, Einigkeit in Analysen. War doch nicht alles richtig. Jetzt sehen wir das und dann muss das anschließend aber auch wirklich besser werden!

MUSS ES!

Aber wird das Erkennen, die Kritik, die gemeinsame Schau auf die Welt Bestand haben, oder werden wir in den Sorgen nach der Krise zu schwach sein und die alten Werkzeuge wieder benutzen?

Wir werden sehen. Jetzt ist die Zeit der Hoffnung auf eine neue Gemeinsamkeit.

Zeit der Solidarität und des Mit- und Füreinanders.

Der Rest ist Morgen und egal was kommt - wer Mensch ist, wird sich im Zweifel immer für das Mensch-Sein entscheiden.

Coronavirus

Ein paar Gedanken zum Coronavirus, zu dem was gerade geschieht und zu dem, was uns erwartet bzw. erwarten könnte ...
Zunächst einmal Folgendes: In meiner Timeline hier auf Facebook, auf Twitter, in den Medien und auch in persönlichen Gesprächen kann man im Grunde drei verschiedene Positionen zum Coronavirus beobachten.


1.) Die Skeptiker
Eine Position zum Coronavirus ist die der Skeptiker.
Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Berichterstattung zum Coronavirus als überzogen bezeichnen, die Reaktionen darauf als übertrieben. Beliebt bei den Skeptikern ist der Vergleich mit der Grippe und die anschließende Feststellung, dass Alles sei Hysterie.
Absage von Veranstaltungen? Übertrieben!
Wirtschaftliche Auswirkungen? Selbst herbeigeschrieben!
Einschränkungen? Nehmen wir nicht hin - aus Trotz machen wir weiter so wie bisher!
Die Skeptiker verhalten sich zum Coronavirus in etwa so, wie die Klimaleugner zum Klimawandel. Sie finden alles übertrieben, glauben nicht daran, halten es für inszeniert und diskreditieren jeden, der vor den Folgen warnt als hysterisch.
Das beliebteste Argument, Corona wäre eine Grippe und an der “echten” Grippe würden doch viel mehr Menschen sterben.
Klingt verlockend, ist aber schlicht und einfach falsch!
Der Coronavirus ist nämlich keine Grippe.
Es handelt sich um einen Virus, der eine Atemwegserkrankung auslöst.
Daher zum Mitschreiben:
Der Coronavirus ist keine Grippe und der Vergleich zur Grippe ist noch nicht einmal vom Kaliber “Äpfel mit Birnen vergleichen”, sondern eher vom Kaliber” Tomaten mit rostigem Auspuff vergleichen”. Er ist also DUMM! (Und gefährlich)

2) Die Unsicheren
Die Unsicheren zeichnen sich dadurch aus, dass sie einerseits besorgt sind, andererseits aber doch eventuelle Maßnahmen eher zurückhaltend bewerten. Sie sind dafür, dass Maßnahmen ergriffen werden, aber lieber nicht solche Maßnahmen, die uns einschränken könnten.
Die Unsicheren verbreiten gerne Anleitungen zum Händewaschen, würden es gerne sehen, wenn Andere nicht mehr in Risikogebiete fahren, möchten aber andererseits ihren regionalen Handwerkermarkt gerne weiterhin besuchen. Einschränkungen sind irgendwie OK, aber nicht so ganz OK, wenn man selbst betroffen ist.
Die Unsicheren kaufen heimlich sieben Kilo Nudeln, machen sich aber lustig über die dritte Kategorie, die Verängstigten

3) Die Verängstigten
Es ist soweit. Das Ende der Menschheit naht. Der Coronavirus wird erst die Menschen töten, dann die Wirtschaft und dann die restlichen Menschen. Rettung verspricht nur die Bevorratung mit Desinfektionsmitteln. Pro Person die Menge einer Krankenhausstation. Mindestens.
Die Verängstigten fordern die Schließung von Schulen und das völlige Erlahmen des öffentlichen Lebens. Alle müssen sofort Alles tun, um dem Virus die Stirn zu bieten. Zeitgleich fragen die Verängstigten als erstes aber danach, ob man denn sein Gehalt auch dann bekommt, wenn man per Dekret in Quarantäne geschickt wurde.
Dabei ist es eigentlich egal, denn wir alle werden sterben.

Nun - Ihr habt es gemerkt - fehlt da nicht ein Typus? Findet Ihr Euch nicht wieder, weil Ihr vielleicht zu den

4) Die Besonnenen gehört?
Die Besonnenen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die aktuellen Entwicklungen verfolgen. Sie haben den Unterschied von Grippe und Coronavirus verstanden und erkennen klar den entscheidenden Unterschied:
Der Coronavirus ist ansteckender als die Grippe, verbreitet sich einfacher und schneller als die Grippe und ist zudem für einen wesentlich höheren Anteil der Erkrankten gefährlich. Gefährlicher als die Grippe.
Also haben die Besonnenen verstanden:
Es ist keine Grippe, aber auch keine tödliche Seuche. Er ist schneller und gefährlicher, aber er ist keine Seuche die uns alle hinrafft. Die Besonnenen haben verstanden: Den Coronavirus können wir nicht unbedingt aufhalten, aber seine Verbreitung können wir so verlangsamen, dass unser Gesundheitssystem, unsere Wirtschaft, unser gesamtes öffentliches Leben zwar Einschränkungen hinnehmen muss, aber eben nicht kollabiert.
Die Besonnenen fangen also nicht an panisch zu hamstern, sie ignorieren mögliche Auswirkungen aber auch nicht.
Die Besonnenen meiden also vermeidbare Veranstaltungen und fühlen sich durch die vorsorgliche und präventive Absage von Veranstaltungen nicht gegängelt oder bevormundet.
Die Besonnenen befürworten den verantwortungsvollen Weiterbetrieb des öffentlichen Lebens, der Arbeit in den Unternehmen und sind bereit, sich ein wenig einzuschränken, damit das große Ganze weiter funktionieren kann.
Zu welcher Gruppe gehörst Du?

P.S.: Ich könnte ewig so weiterschreiben und zu jedem einzelnen Punkt zwanzig Links posten, Fakten teilen und jede Menge weitere Kommentare hinzufügen. Aber im Grunde möchte ich eigentlich nur Eines sagen:
Übernehmt Verantwortung. Jeder für sich im Kleinen, für seine Familien, Nachbarn und Arbeitskollegen, denkt einmal mehr als sonst “muss das jetzt sein” und handelt schlicht vorsorglich! Lieber früh und einmal mehr als “nötig” eine kleine Einschränkung, als ein Totalausfall, weil sich der Virus vielleicht doch exponentiell breit macht.
Also - Händewaschen und weitermachen