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Wir müssen über Freiheit reden!

Man sagt es ihnen nach - den Deutschen - dass sie obrigkeitshörig sind, Regeln nicht nur befolgen, sondern Regeln über Alles stellen. Ein Land voller Blockwarte, das sich gegenseitig kritisch beäugt und nicht vor Denunziation zurückschreckt. Wir haben da so unsere eigenen Erfahrungen ...

Ja - auch ich sehe zur Zeit, dass die Ein oder Andere persönliche Freiheit zurückstehen muss, Das Vieles berechtigterweise einem Ziel untergeordnet wird - nämlich den Verlauf des Coronavirus und seiner Ausbreitung möglichst zu verlangsamen, zu kontrollieren und in "beherrschbare" Bahnen zu lenken. Da wird sinnvolles verordnet und vorgeschrieben und scheinbar hält sich die große Mehrheit daran. Ist einig in dem Ziel, möglichst wenig Menschen sterben zu lassen und das ist gut so. Es hat meine Unterstützung und mein Einverständnis!

Dennoch müssen wir in dieser Situation auch über Grenzen reden. Und zwar über die Grenzen staatlichen Eingreifens in unser Leben, in unsere Privatsphäre, in unsere Freiheit.

Wie so oft im Leben reden wir hier von Abwägungen, die so einfach nicht zu treffen sind. Im Raum steht die Frage: Was ist ein Menschenleben wert und was darf ich tun, um ein Menscheneben zu retten.
Im Grunde wäre die Frage einfach zu beantworten: Alles!
Denn wer will schon Richter und Henker zugleich sein? Wer will sich anmaßen, den Wert des einen Lebens gegen den Wert eines anderen Lebens aufzurechnen?
Dieses Dilemma kann ganze Genereationen von Philosophen und Ethikern beschäftigen und im Grunde übersteigt sie auch mein eigenes, bescheidenes Denkvermögen. 

Alles? Darf - soll man wirkich Alles tun um ein Menschenleben zu retten?

Hier wird es kompliziert. Denn die Frage ist abstrakt. Auf der einen Seite die Frage nach einem eher abstrakten Menschenleben. Denn welches es ist, weiss ich nicht, auch nicht, welches das nächste ist.
Auf der anderen Seite ist es ganz konkret meine persönliche Freiheit die beschnitten wird. Das ist konkret, das ist unmittelbar.

Natürlich ist es mir klar, das es auch um meine ganz persönlichen und mit mir lebenden Menschen geht. Meine Mutter, meine Schwiegermutter, meine ältere Nachbarin. Auch das ist konkret - und doch auch abstrakt. Denn die Bedrohung durch den Virus ist ebenfalls zunächst abstrakt. Nicht sichtbar, nicht zu fühlen, nicht zu riechen.

Und dann steht da die Frage im Raum - ist das Alles so richtig. Und diese Frage wird größer, wenn wir an die Gesamtkosten der Freiheitsbeschränkung denken. Die Freiheitsbeschränkungen jetzt und die Freiheitsbeschränkungen der Zukunft, die wir nicht kennen. Die "Kosten" jetzt und die Kosten in der Zukunft, die wir ebenfalls noch nicht kennen.

Wie kann man Menschenleben gegen zerstörte Existenzen aufrechnen? Wie viele Menschen müssen, sollen, dürfen ruiniert werden für im Gegenzug wie viele gerettete Menschenleben?

Die Zusammenhänge bleiben verschwommen, die Betroffenheiten sind mehr oder weniger stark. Aber Maßnahmen werden getroffen auf Grundlage der Übereinkunft, wir wollen nicht sterben lassen. Bestandteil einer solchen Übereinkunft müssen aber auch Grenzen sein. Ohne Grenzen keine Übereinkunft, denn es ist ein Handel, bei dem man wenigstens ungefähr wissen muss - was bekomme ich für das, was ich gebe.

Weitergehende Einschränkunge der Freiheit, Überwachung, Aushebelung von Datenschutz und Privatsphäre stoßen da schnell an ihre Grenzen und dürfen bestenfalls gar nicht, höchstens auf Zeit eingegangen werden. Und unbedingt gekoppelt an die Gewissheit, dass diese sehr intimen und daher sehr unmittelbat freiheitsbeschränkenden Maßnahmen nur zeitlich befristet gelten können.

Problem: In einer datengetriebenen Welt ist das per se mit Mistrauen behaftet und niemand kann glaubhaft versichern, diese Einschränkungen wirklich nur jetzt, nur zeitlich befristet einzusetzen. Das Vertrauen haben sich sowohl der Staat als auch die Wirtschaft schon lange verspielt.

Also müssen wir - obwohl es drängt - us Zeit nehmen zu reden. Zu verhandeln. Wir haben Erklärungen einzufordern und wir haben für Versicherungen zu sorgen. Wir müssen diskutieren und kontrollieren. Wir müssen uns dagegen wehren, unter dem Deckmantel der Notwendigkeit unsere Freiheit bereitwillig herzugeben.

Es ist keine Quertreiberei, jede Maßnahme kritisch zu hinterfragen, sie sogar in Frage zu stellen. Es ist geradezu Bürgerpflicht, an der Verhandlung von Grenzen teilzunehmen und nicht blindlings der Führerschaft der Autokraten, Bürokraten und Volksvertreter zu vertrauen.
Starken Persönlichkeiten muss man Vertrauen schenken. Zugleich aber muss man ihnen gegenüber mistrauisch sein.

Es geht um jeden einzelnen von uns - und das bedeutet sehr viel. Es sind ganze Leben, ganze Biografien, ganze Lebenslinien und ganze Familien, die von all diesen Entscheidungen betroffen sind. 
Wir sollten uns der Verantwortung stets stellen und mit kritischen Fragen, aber wenn nötig auch mit der Verweigerung unserer Zustimmung reagieren.

Eine Freiheit die einmal genommen wurde schränkt zugleich alle anderen Freiheiten ein. Also - Augen auf - hartnäckig Fragen stellen und nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen durch all die Angst, die man uns einredet.

Wenn kein Leben mehr Wert ist als ein Anderes, dann ist Deines eben genau so viel wert.
Tot oder lebendig.

#globaldistancing - Was wir nach der #Coronakrise brauchen

Wenn die Krise vorbei ist, werden wir einige Dinge aufarbeiten müssen. Wir müssen dann in uns gehen und neben der Beseitigung der Folgen dieser Krise unser Verhalten neu überdenken und nach Möglichkeit anpassen und neu justieren. 

Eine Frage die wir uns dabei stellen müssen ist die, wie wir zukünftig wirtschaften wollen. Es zeigt sich nämlich, dass die Globalisierung uns in manchen Bereichen unfrei und abhängig gemacht hat.
Nur ein Beispiel: Die Produktion von Atemschutzmasken findet weltweit zu 90% in China statt. Nachdem der Coronavirus dort nicht nur seinen Ausgangspunkt, sondern auch seine verheerende Geschwindigkeit gezeigt hatte, verhängte die chinesische Regierung einen Exportstopp für Atemschutzmasken und Schutzkleidung. In einer Welt der Just-in-Time Wirtschaft zeigte und zeigt sich anschließend, wie gefährlich das nun für uns ist. Krankenhäuser und Katastrophenschutz sind kaum bevorratet, dringend benötigte Schutzausrüstung für das medizinische Personal ist Mangelware und gefährdet so letztendlich nicht nur das medizinische Personal, sondrn ein ganzes Gesundheitssystem und daamit Menschenleben. Und niemand versteht, wie ein Land im zwanzigsten Jahrhundert nicht in der Lage sein soll, solch einfache Dinge vorrätig zu halten oder binnen kürzester Zeit zur Verfügung zu stellen.
Das dies so ist, hat zwei Gründe. Es ist erstens billiger, solche Produkte woanders her zu beziehen, und zweitens haben wir uns in der Sicherheit gewähnt, dass in dieser globalisierten Welt alles immer zu jedem Zeitpunkt verfügbar ist. Denn mit "Big Data" und ausgefuchsten Logistikprogrammen haben wir uns eingeredet, Bedarfe vorherzusehen und wie oben erwähnt - "in Echtzeit" auf Veränderungen reagieren zu können.
Nun zeigt sich - es ist ein Trugschluss, denn die Welt und die Natur halten sich nicht an Berechnungen und Vorhersagen - zumindest nicht zuverlässig. Und befeuert durch die Globalisierung und den weltweiten Austausch von Waren und Menschen wird diese Unberrechenbarkeit nun zu einer Krise. Zu einer Epidemie, zu einer Pandemie.

Jetzt gerade geht es darum in dieser Situation Leben zu retten. Das ist richtig und muss absolute Priorität haben. Im nächsten Schritt wird es darum gehen müssen, die Folgen dieser Pandemie zu beseitigen, den Menschen Arbeit und Lohn und die Zukuft zurückzugeben. Und es wird sich zeigen, wie "sozial" unsere soziale Marktwirtschaft ist, wie viele Menschen verlieren werden und wie sehr wir zusammenhalten, damit es möglichst wenige sind, bestenfalls niemand ist, der durch Corona den sozialen Abstieg erleben muss.

Aber nachdem wir das durchgestanden haben, ist ein Nachdenken gefragt. Ein Nachdenken über unsere Produktionsweisen und unser Konsumverhalten. Ein Nachdenken über Krisenvorbereitungen und den Erhalt von Autonomie und Autarkie. Und wir müssen auch darüber reden, inwiefern wir ein Gesundheitswesen und eine Krankenhausstruktur vorhalten wollen, die uns im Alltag und auch in echten Krisen eine bestmögliche Versorgung sichern.

Aus einem bisher eher marketingorientierten und aus Umweltaspekten motivierten "Kauft Regional"-Aufruf, sollte in vielerlei Hinsicht eine echte Verhaltensveränderung werden. Lokale Lebensmittelproduktion, lokale und regionale Energieerzeugung und Vermarktung, Produktion und Verbrauch von Gütern mit Krisenrelevanz (wie zum Beispiel Desinfektionsmitteln oder Schutzkleidung) müssen uns einen eventuellen Mehrpreis wert sein, wobei dieser Mehrpreis mitunter ja gar kein echter Mehrpreis ist.
Produktion und Konsum "Vor Ort" kommt ja tatsächlich auch dem Verbracuher selbst unmittelbar zu Gute. Steuern kommen den eigenen Gemeinden zu Gute und ermöglichen es vor Ort unabhängige Entscheidungen zu treffen. Mein Konsum hilft unmittelbar meinem Nachbarn, meiner Schwester, weil ich ihre Arbeitsplätze damit stütze. Lebenswichtige Wirtschaftssektoren wie zum Beispiel die Landwirtschaft haben ein besseres und berechenbareres Einkommen und so fort.
Der größte Vorteil wäre es aber, dass wir regionale Wirtschaften schaffen, die in Krisen eigene Kräfte und eigene Möglichkeiten haben. Bezogen auf ein Land wie Deutschland, würden wir schlagkräftige kleine Einheiten schaffen, die in Summe ein noch stärkeres Deutschland ergeben, das in mancherlei Hinsicht durch mehr Autonomie und mehr Autarkie besser und schneller und effektiver auf Krisen reagieren könnte.

Und das Schöne daran? Das würde ohne Egoismust und ohne jede Spur von Nationalismus funktionieren. Es wäre sogar damit verbunden, dass wir aufhören würden unseren Wohlstand auf Kosten Anderer am Leben zu erhalten. Weder in dem wir irgendwo zu unwürdigen Umständen produzieren lassen, noch indem wir unsere Umweltprobleme weiterhin in die Welt exportieren, anstatt endlich unser Verhalten zu verändern.
Eine soäche Veränderung würde auch nicht den Abschied von internationaler Zusammenarbeit, von internationaler Sicherheitspolitik, von internationaler Sozialpolitik und schon gar nicht den Abschied von Freiheit und internationalem Austausch bedeuten. Im Gegenteil würde es in mancherlei Hinsicht unsere Glaubwürdigkeit und unser Ansehen stärken.

Wir sollten wirklich darüber nachdenken, wie wir in der Zeit nach der Corona-Krise weitermachen wollen. Ich plädiere für ein Global Distancing - für einen teilweisen Rückzug aus einer Welt, in der sich Produktion und Logistik immer weiter vom Konsumenten entfernen und im Effekt Abhängigkeiten schaffen, die Unfrei machen.

Denn das ist es, was wir gerade sehen: Globalisierung ist, wenn wir sie nicht anders leben werden, Unfreiheit und Abhängigkeit. Das stört das Miteinander der Völker und Gesellschaften in vielfältiger Art und Weise und im Grunde wissen wir das schon lange. Ich bin überzeugt, #globaldistancing und ein Weg zurück zu kleineren Wirtschaftseinheiten mit mehr Autarkie und Autonomie würden nicht nur mehr Sicherheit und Unabhängigkeit bedeuten. #globaldistancing wäre auch ein Weg zu mehr Völkerverständigung, zu mehr Begegnungen auf Augenhöhe und zu mehr Freiheit und Freundschaft über alle Grenzen hinweg.

 

Aus den Fugen

Gerade jetzt wieder scheint die Welt völlig aus den Fuge geraten zu sein.

Unser Verhältnis zu dem, was wichtig ist, ist aus dem Gleichgewicht geraten. Der Coronavirus und seine Ausbreitung in Deutschland lassen unseren unfassbaren Egoismus wieder überdeutlich zutage treten. Da wird gehamstert und h´gehortet als stünde der Weltuntergang bevor, dabei ist es nur eine Variante der Grippe, die zugegebenermaßen ansteckende und unangenehmer sein kann als die übliche Grippe.
Die Menschen reagieren angestachelt durch eine maßlose und klickgeile Presse völlig übertrieben und eben auch egoistisch.
Egal wer ansonsten noch was brauchen könnte und unabhängig davon ob man es selber benötigt werden Klopapier, Nudel, Desinfektionsmittel und Atemmasken gehortet. Scheiß auf die Anderen. Was kümmert es mich.

Währenddessen sind Menschen in echter Not. In Griechenland und an der griechisch türkischen Grenze eskaliert die Situation. Die Schutz- und hilfsbedürftigen sind ein weiteres mal Spielball und Verhandlungsmasse. Da wird Politik mit Menschenleben gemacht und ich frage mich, wo da noch der Unterschied zum Krieg mit Waffen besteht. Das eine tötet schneller, das Andere tötet langsamer.

In beiden Fällen mag so recht keiner helfen. Das frustriert und macht hilflos, weil man doch so wenig Einfluss hat. Und weil man nicht versteht, wo die Menschlichkeit geblieben ist.

Wo ist sie?

In den christlichen europäischen Gesellschaften ist sie jedenfalls nicht. Falls also jemand das hier liest und weiß, wo die Menschenliebe und die Nächstenliebe abgeblieben sind, der möge mit bitte Bescheid sagen.

Nicht quatschen – machen! #justdoit

Ich kann es nicht mehr hören – dieses Diskutieren um Umweltschutz, um Tempolimit, um gesunde und nachhaltige Ernährung. Fleisch vs. vegetarisch vs. vegan. Können wir die Welt ernähren? Wie können wir die lokale Wirtschaft stärken und was kann man tun gegen das Sterben der Innenstädte.
Und und und …

 

Leute – ihr müsst es einfach tun – diskutieren können andere. Kauft beim Erzeuger vor Ort. In den Geschäften vor Ort. Kauft Getränke in Glasflaschen. Macht weniger Müll. Auto einfach mal stehen lassen. Die Liste an nahezu absurd einfachen Dingen ist lang. Sie ist sehr lang und es sind nur unsere schlechten Angewohnheiten und unsere Faulheit, die uns im Wege stehen.

Also – tut einfach mal das, was naheliegt. Es ist weder teuer noch aufwändig.

ES. IST. EINFACH. NUR. ZU. TUN.

Jetzt.

 

 

Und um den Slogan eines Sportartikelherstellers einmal zweckzuentfremden: #justdoit

CDU–Die Bigotterie der staatspolitischen Verantwortung

Unbestritten – es ist ein Zwiespalt in dem die CDU sich befindet.Die Situation in Thüringen ist verfahren, nachdem sich CDU und FDP sehenden Auges in die Arme der AfD begeben haben. Ihr Ziel – einen linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow zu verhindern ist zwar nachvollziehbar, aber CDU und FDP verfolgten dieses Ziel mit einer Blindheit, fast einem Furor, der sie Eines aus den Augen verlieren lies:
Nämlich die Frage, was ist wertvoller? Die Verfolgung eigener Ziele und die Einhaltung eigener Prinzipien oder der Konsens, dass Faschisten nie wieder in deutschen Parlamenten das Geschehen diktieren sollen?

Diese Frage versuchten CDU und FDP auf eine Art und Weise zu beantworten, die töricht und naiv war. Die Fähigkeiten eines Grundschulkindes in den Grundrechenarten hätten genügt, um die Aussichtlosigkeit zu erkennen, abseits von R2G eine Regierungsbildung ohne Unterstützung der AfD zu ermöglichen. Dieser Fehler ist insofern töricht und besonders dumm, da er in erster Linie den Wählerwillen ignoriert und verkennt, dass eine R2G Regierung die einzige Option auf eine Regierungsbildung war, in der eine übergroße Mehrheit der Bevölkerung vereint sein konnte – nämlich vereint in dem Wunsch, das keine Faschisten der AfD an einer Regierung beteiligt sein werden. Und zwar weder in Form einer direkten Regierungsbeteiligung noch in der Form, das sich eine Regierung bei Abstimmungen von den Stimmen der AfD abhängig macht. Das es nur diese eine Option gab liegt im Übrigen auch in der Verantwortung der CDU, die durch Parteitagsbeschluss auf Bundesebene in bester Hufeisenmanier sowohl eine Zusammenarbeit mit Linke als auch mit AfD kategorisch ausgeschlossen hat ohne zu Bedenken, inwiefern ein solcher Kategorischer Beschluss stärker den Extremisten der AfD (und leider auch in den eignen Reihen) zu Gute kommt als den eigenen Bedürfnissen (und – wie wir nun erkennen müssen – den Bedürfnissen einer Mehrheit der Bevölkerung eines Bundeslandes).
Das die CDU grundsätzlich eine Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke ausschließen möchte ist nachvollziehbar. Es ist nachvollziehbar und wichtig für die Glaubwürdigkeit der CDU. Das kann und sollte man verstehen. Besonders in außenpolitischen Fragen ist Die Linke eine Partei, bei der auch SPD und Die Grünen Schwierigkeiten haben sollten, eine Zusammenarbeit einzugehen.
Aber ein genereller Beschluss auf Bundesebene nicht mit den Linken zusammenarbeiten bedeutet eben auch, in einem Landesparlament, in dem außenpolitische Fragestellungen keine Rolle spielen, Optionen und Möglichkeiten dem Wählerwillen zu entsprechen über Bord geworfen werden. In Folge werden die Bürger Thüringen in Geiselhaft genommen aufgrund einer mangelnden Differenzierungsfähigkeit einer Bundes-CDU, die in Sonntagsreden wohlfeil kundgibt, die Politik müsse nun endlich die Besonderheiten Ostdeutschlands angemessen berücksichtigen, um im gleichen Moment diese Bekundungen durch ein hineingreifen in thüringische Landespolitik ad absurdum zu führen. So hat sich die CDU in eine nahezu nicht auflösbare Situation begeben die Schaden anrichtet nicht nur in der eigenen Anhängerschaft, sondern die das Vertrauen in die Politik als Ganzes untergräbt. Und das in einer kaum wiedergutzumachenden Art und Weise. Die AfD bedankt sich.

In besonders perfider Art und Weise zeigt sich in Thüringen und dem Verhalten der Bundes CDU in Bezug auf Thüringen ein Charakterzug der CDU: Die Bigotterie.

Erinnern wir uns an den massiven Druck, den die CDU nach der letzten Bundestagswahl auf die SPD ausgeübt hat. In der eigenen Aussichtlosigkeit (mit wem hätte man denn sonst regieren sollen? Das ist die Niederlage der CDU bei der vergangenen Wahl!) warb die CDU nicht etwa um eine Große Koalition mit der SPD. Man scheiterte Dank der FDP mit der Bildung einer anderen Regierungsoption. “Dank der FDP” bedeutet allerdings auch – das dies ein eigenes Versagen war. Und um dieses eigene Versagen zu verschleiern, erzwang man mit dem Begriff der “staatspolitischen Verantwortung” eine Große Koalition mit der SPD. Rücksicht auf eine dadurch zwangsläufig zu erwartende Zerrissenheit der SPD nahm man dabei allerdings nicht – im Gegenteil – die kontroverse Diskussion innerhalb der SPD nutzte man gleich lieber für den Versuch, das Ansehen der SPD zu beschädigen und den Versuch, denjenigen einzig verbliebenen Koalitionspartner in seiner nun mächtigen Verhandlungsposition wieder ein wenig herunter zu kochen.
Die SPD beugte sich diesem Druck unter großen Schmerzen. Wer Kontakt zu SPD-Basis hatte konnte nicht übersehen, dass selbst vormalige Verfechter von Koalitionen (Opposition ist Mist) nun starke Zweifel hatten. Nur Dank der massiven Kommunikation der SPD-Führung und nur unter dem übermächtigen Zwang der öffentlich und medial inszenierten “staatspolitischen Verantwortung” – in diesem besonderen Fall nur ein Synonym für die Merkelsche Ausweglosigkeit – konnte ein SPD-Votum für die Große Koalition entstehen, dessen prozentuale Zustimmung im Abstimmungsergebnis allerdings meilenweit von der inneren Verfassung der Partei abwich.
Hier bleibt zusammenfassend zu sagen: Es war die CDU, die nach dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen mit Grünen und FDP in einer ausweglosen Situation steckte, hatte man doch den Anspruch auf eine Regierungsbildung nur allzu lautstark proklamiert. (Hier möchte ich darauf hinweisen, das die Möglichkeit der Bildung einer Minderheitsregierung m.E. nicht ausreichend diskutiert wurde!)
Allerdings gelang es der CDU, die eigene Ausweglosigkeit unter dem Begriff der Staatspolitischen Verantwortung auf die SPD zu projizieren – der Ausgang ist bekannt.

Und nun schauen wir wieder auf Thüringen und sollten und sollten erkennen, dass die CDU sich selbstverschuldet in eine Situation  gebracht hat, die der Situation der SPD nach der Bundestagswahl sehr viel ähnlicher ist, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.
Ähnlich wie die SPD seinerzeit, ist die CDU nun in der Position Verantwortung dafür übernehmen zu müssen, dass das Recht der Bürger auf eine Regierung stärker sein muss als parteipolitische oder ideologische Befindlichkeiten. Ähnlich wie die SPD ist nun die CDU in einer Situation, eine im Grunde ausweglose Entscheidung treffen zu müssen, obwohl sie weiß, dass es ihr Schaden zufügen wird.
Ähnlich wie die SPD ist die CDU nun in einer Situation, in der eine überwältigende Mehrheit von ihr etwas erwartet, dass ihr im Grunde zutiefst zuwider ist.
Ähnlich wie die SPD ist die CDU in der Situation, jetzt staatspolitische Verantwortung über die eigenen Befindlichkeiten zu stellen.

Was wir aber bisher sehen ist, dass die CDU (noch) nicht dazu bereit ist. In nahezu unsportlicher und unfaire Weise hat sie nach ihrem eigenen Versagen bei den gescheiterten Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl die gesamte Verantwortung auf die SPD abgeladen. Die SPD hat, wohlwissend wie sehr es ihr zu Schaden vermag – diese Verantwortung auf sich genommen.
Die CDU will das nun aber nicht. Unter dem Deckmantel der eigenen Glaubwürdigkeit versucht sie nach wie vor aus Sturheit und ideologischer Verblendung die Verantwortung zurückzuspielen.

Wer von anderen die Übernahme von Verantwortung verlangt, sie aber selbst nicht bereit zu übernehmen ist, der handelt bigott. Das ist die Bigotterie der CDU, das ist Messen mit zweierlei Maß. Und es ist ein Handeln, das das Wahlergebnis, den Wählerwillen und somit den Wähler, die Menschen in Thüringen ignoriert.
Die Botschaft lautet: Ihr seid uns egal – nur wir selbst sind uns wichtig.

Es wird spannend sein zu sehen, wie viele Menschen sagen werden: #niewiederCDU.

Und so geht Politikverdrossenheit. Die CDU erledigt in Thüringen das Geschäft der AfD – wir sollten die CDU hier nicht aus der Verantwortung lassen.

 

P.S.: Im diesem ganzen Zusammenhang gibt es so viele einzelne Punkte die eine weitergehende Ausführung verdient hätten. Da aber in den vergangenen Wochen so viel über die Geschehnisse in Thüringen berichtet wurde, vertraue ich darauf, dass die Betrachtungen und Argumentationen bekannt sind.