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Mit “besorgten Bürgern” reden – vielleicht so?

Gestern habe ich ja den kleinen Erfahrungsschatz eines anderen Twitter-Users geteilt.
Heute entdecke ich einen anderen Tweet und denke – “vielleicht funktioniert es so”.

Nicht ganz ernst gemeint – oder vielleicht doch?


Mit “besorgten Bürgern” reden – ein Twitter-Thread

Auf Twitter bin ich über einen Thread gestolpert, in welchem der User @lawen4cer seine Erfahrungen aus Gesprächen mit diesen sogenannten “besorgten Bürgern” zusammenfasst. Da sich dies so wunderbar mit meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen deckt, ich das aber keinesfalls hätte besser zusammenfassen können, möchte ich euch das nicht vorenthalten.
Die Twitter-Nutzer unter Euch können den Thread natürlich auch über Twitter selbst aufrufen, für alle anderen habe ich die einzelnen Tweets dieses Threads hier untereinander kopiert:

 

 

Koalitionsvertrag (1)

Ich möchte gerne einmal ein wenig kleinlich sein und an einem ganz winzigen Schnipsel ein Beispiel geben, woran ich meine Beobachtung festmache, dass unsere Politiker “abgehoben” sind, bzw. wie man mit Floskeln und Allgemeinplätzen und deren stetiger Wiederholung wirklich wichtige Tatsachen völlig entwerten kann.


Koa1

“… und dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger sicher und gut leben können.”

  1. 1. In Summe leben wir bereits sicher und gut
  2. 2. Besonders leben wir sicher. M.E. ist die Betonung solcher “Selbstverständlichkeiten eine Kapitulation und ein Kotau vor Rechtspopulismus a la AfD.
    Warum also so wenig Selbstbewusstsein? Sagt es den Leuten “Unser Land IST sicher. Wir müssen es nicht sicher machen!!!
    Klar können wir besser werden darin, aber es IST sicher.

Ich stolpere sehr häufig über solche “winzigen” – in meinen Augen – Ungenauigkeiten. Die Vielzahl solcher “Stolperer” lässt mich manchmal verzweifeln weil ich denke, dass die ganz konkreten Dinge dadurch vernebelt und vergessen werden.

Soziale Gerechtigkeit

"Soziale Gerechtigkeit" - das ist inzwischen eine der inhaltsfreien Phrasen im Politikbetrieb. Es gab Zeiten, das konnte man diesen Begriff eindeutig einer Partei zuordnen. Das hat der anderen Partei nicht gefallen und sie hat ihn sich zu eigen gemacht. Das ist schade, Denn nun kann man mit einem sehr wichtigen Begriff, der für eine noch wichtigere Idee steht einfach nichts mehr anfangen. Und Alle tun sich schwer dafür neue Worte zu finden. Besonders die Partei, die einmal für diesen Begriff stand. Und auch mit der wichtigen Idee, die hinter "Soziale Gerechtigkeit" steht, tut sich diese Partei zunehmend schwer.


Klingt komisch - ist aber so.

Tagesschau vom 05.09.2013

Kaum habe ich meine neue Kategorie "Auf's Maul geschaut" ins Leben gerufen, liefert mir Jörg Schönenborn in den Tagesthemen mit seiner Kommentierung des Deutschlandtrends den Anlass für den nächsten Artikel:


In den Kommentierung der Zahlen verwendet Schönenborn bezugnehmend auf den anhaltenden Abwärtstrend in der Sonntagsfrage (ausgehend von dem Hoch von 24%) den Rückgang Der Grünen auf nunmehr 10% als "Schwindsucht".


Dieses Wort möchte ich nun einmal kurz so stehen und wirken lassen.


(Schwindsucht, Schwindsucht, Schwindsucht ,lalalalalalaaaaa, Schwindsucht)


O.K.: Was hat er vielleicht gemeint? Er wollte wohl zum Ausdruck bringen, dass dieser Rückhgang um 14 Prozentpunkte eine echte Nummer ist, das es viel ist, das es vielleicht auch bemerkenswert viel ist. Er meinte vielleicht auch zum Ausdruck bringen zu müssen, das Die Grünen "schwächeln", wohl Fehler gemacht haben müssen, denn ein solcher Rückgang ist ja kein Zufall, sondern die Folge von etwas. Vermutlich die Folge dessen, das man vielleciht die falschen Themen besetzt hat, vielleicht den falschen Ton angeschlagen hat oder vielleicht ...
Nun, darüber kann und soll er sich Gedanken machen und kann und soll er die Themen und Ereignisse der letzten Zeit als Erklärung für den fotwährenden Zustimmungsverlust in der Sonntagsfrage bemühen. Das ist Teil seiner Aufgabe.


Was hat er nun aber gesagt? Gesagt hat er "Schwindsucht". Er bezeichnet den Rückgang in der Zustimmung zur Sonntagsfrage in Bezug auf Die Grünen als Krankheit. Er attestiert der partei eine gewisse Form von Siechtum. Und eine Krankheit ist ja auch immer etwas das therapiert werden muss. Diese Partei braucht also Hilfe.
Andererseits ist so eine Krankheit ja aber auch anstecken, potentiell gefährlich. Vielleicht muss man sich also die Hände waschen, wenn man es mit den Grünen zu tun hat? Am Besten vielleicht ganz die Finger davon lassen? Sollte man sie am Ende gar in Quarantäne stecken?


Nun ja, der Begriff Schwindsucht lässt hier viele Möglichkeiten und Konnotationen offen. Ich denke das er nicht auf viele Menschen in diesem Zusammenhang so abschreckend gewirkt hat, wie auf mich (abschreckend in Bezig auf die Verwendung, nicht auf die Grünen). Ich bin mir aber sicher, das die Verwendung solcher Begriffe besonders in einem Medium wie den Tagesthemen, welche ja für Unabhängigkeit und neutrale Information stehen, eine unterschwellige Wirkung entfalten. Diese Sorglosigkeit mit der nun solche Begriffe Eingang in die Sprache der Berichterstattung gefunden haben, nervt mich.
Ich unterstelle Herrn Schönenborn vorläufig nicht, dass er diesen Begriff in der Absicht gewählt hat unterschwellig daran mitzuwirken, den Abwärtstrend der Grünen zu befördern oder beizubehalten. Aber unabhängig davon ob es nun Absicht war oder nicht ist, ist er nicht verantwortungsvoll seiner Aufgabe nach neutraler Berichterstattung nachgekommen. Die Vorstellung des Deutschlandtrends ist keine Bühne für eine unterschwellige Botschaft und keine Bühne für Kommentierung. Wenn Herr Schönenborn Kommentieren möchte, dann soll er diese Kommentare auch deutlich als solche kennzeichnen.


Nun - das ist also ein Beispiel dafür, warum ich diese Kategorie ins Leben gerufen habe. Beim nächsten "Aufreger" melde ich mich wieder.