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re:publica 2019 – Bernhard Pörksen: Abschied vom Netzpessimismus #rp19

Einer meiner Lieblingsvorträge der diesjährigen re:publica

”Es gehört inzwischen zum Smalltalk der Zeitdiagnostik, dass ein neuer Faschismus droht, die Demokratie erodiert, Maschinen den Menschen verdrängen, die digitale Diktatur längst Wirklichkeit ist. Der Medienprofessor Bernhard Pörksen analysiert die fatale Macht des Netzpessimismus und zeigt Wege aus der Resignationsfalle. Und er entwickelt die konkrete Utopie der redaktionellen Gesellschaft, eine Vision der Medienmündigkeit für das digitale Zeitalter, die in der Schule beginnt.”
Bernhard Pörksen

#rp19 - re:publica19 - zweiter Nachklapp

Gestern Abend habe ich noch auf der re:public ein erstes kurzes Fazit verfasst und habe heute im Zug noch einmal darüber nachgedacht. Geholfen dabei hat mir ein Artikel auf Media.de, der in meinem Gefühl ein klein wenig von oben herab auf die re:public schaute - vielleicht sogar ein wenig spöttisch.

Im Artikel von Media ging es sinngemäß darum, dass die re:public, obwohl sie wichtige und wesentliche Debatten aufgreife, doch ein wenig eine Blase sei und im eigenen Saft koche, inklusive permanenter Selbstbestätigung. Und in der letzten Wendung streitet meedia der re:public dann quasi ab, für die breite Gesellschaft zu sprechen, weil - eben - re:publica.

Ich finde das ausgesprochen seltsam, das ein Unternehmen wie Media, nämlich ein Unternehmen aus der Medienbranche und irgendwie da ja auch aus der digitalen Welt, ich finde es seltsam, das Media hier so undifferenziert Kritik aufgreift, die man so an jeder bisheriger re;publica vorgebracht hat, die aber zu keinem Zeitpunkt richtig war.

Man kann die re:publica durchaus als Treffen Gleichgesinnter begreifen, von Anfang an war das so.

Na und? Das ist bei jedem Parteitag so. Deswegen würde man den Parteien aber nicht absprechen, gesellschaftlich wichtige und notwendige Debatten auf ihren Parteitagen zu führen.  Wenn man das überhaupt thematisieren wollte, dann könnte man es mit gleichem Recht auch positiv formulieren, als Schutzraum ...

Was sich allerdings geändert hat - um "Gleichgesinnter" zu sein muss man nicht mehr „Blogger“ sein (echt jetzt!). Die Filterblase die der re:publica gerne vorgeworfen wird, sie wird von Jahr zu Jahr größer. Das wiederum wird gerne unterschlagen oder zumindest unterbelichtet dargestellt. Die re;publica ist auch keine Veranstaltung ausschließlich sehr junger, sehr linker Aktivisten - diese sind dort allerdings willkommen wie eigentlich fast jeder dort willkommen ist. Wird sich allerdings nicht jeder dort wohlfühlen - als Neonazi, als Sexist, als dumpfer Klimaleugner und anderes würde ich da einfach wegbleiben. Verboten zu kommen ist es denen nicht und man muss beim Ticketkauf keinerlei Angaben zur Gesinnung machen.

Artikel wie der von meedia schreiben über die Themenbreite und über die Wichtigkeit und Aktualität der auf der re;publica geführten Debatten ohne sie wirklich anzuerkennen. Das ist in meinen Augen unredlich und dient bloß denen, die Debatten über Freiheit, Gleichheit, über eine faire und gerechte Welt lieber wie bisher führen möchten. In einem Diskurs-Raum, der stets mit Ängsten gefüllt wird, um die Menschen vorm Aufbegehren und "ernst machen" abhält. Bei allen teils sehr frustrierenden Schilderungen unserer Gesellschaft unterscheidet sich die re;publicabesonders in diesem Punkt. Sie wil, das die Leute verstehen, das sie keine Angst haben trotz des besorgniserregenden Zustandes der Welt und die re:publica ruft jeden Einzelnen auf, sich zu engagieren ohne die Verantwortung weiter zu reichen an "die".

Für mich bleibt bei einem Artikel wie dem auf meedia.de ein fader Beigeschmack und eine Frage:

Sind die neidisch, weil sie sich das ganze Jahr nur mit Werbung beschäftigen dürfen?

re:publica 19 #rp19

Noch sitze ich hier in Berlin auf dem "Affenfelsen", bin voller Eindrücke und neuem Input und warte auf die Closing Ceremony nachher. Im Grunde ist es noch zu früh um ein Fazit zu ziehen, gibt es noch zu viele neue Gedanken die Platz für einen Nachhall brauchen und überhaupt ist in meinem Kopf gerade ein so geordnetes Durcheinander wie schon lange nicht mehr.
Das muss nachsortiert werden und da muss nachgedacht werden. Gleich morgen, im Zug werde ich damit beginnen, da habe ich Zeit.

Ein Fazit sei aber dennoch jetzt schon erlaubt. Diese sogenannte "Digitalkonferenz" (manche nennen es Festival) ist sehr viel anders, als die meisten Aussenstehenden vermuten werden. Natürlich ist "das Digitale" der Aufhänger, besonders das Thema Kommunikation im digitalen Raum. Der Fokus liegt aber letzten Endes bei uns. Bei den Menschen.

Es geht darum wie wir sind, wie wir ticken, wie wir fühlen, wie wir funktionieren und darum, was wir daraus machen.
Es geht darum, weshalb wir manche Stöckchen aufheben oder drüber springen und warum wir das bei anderen nicht tun. Es geht darum, uns selbst kennenzulernen, uns selbst zu verstehen und uns damit auseinanderzusetzen, wie und wer wir sind. Und ob wir so sind, wie wir sein wollen oder vorgeben zu sein.

Dies Alles lässt sich anhand des Digitalen wunderbar nachvollziehen, in seine Einzelteile zerlegen, analysieren. Am Ende gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und das Richtige zu tun.

Bei all dem hilft die re:publica indem sie uns darauf aufmerksam macht. Indem sie nämlich den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht die Maschinen.

Klingt komisch? Ist aber so!