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Zufälliger Eintrag: Siemens
< Wahlaufruf | Tagesschau vom 05.09.2013 >

Journalismus und die Verantwortung für Sprache

Ich habe mich dazu durch gerungen eine neue Kategorie einzuführen: "Auf's Maul geschaut"


Seit geraumer Zeit beschäftigt mich die Frage, wie sehr die Art und Weise in der man Dinge formuliert und welche Sprache man benutzt beeinflusst, was letzten Endes verstanden wird. Es ist mir völlig klar, dass man sich derber Sprüche, blumiger Ausdrücke, eloquenter Verschleierungen oder was auch immer bedient um den eigenen Worten einen besonderen Drive zu geben.


Aber wie weit darf das eigentlich gehen? Und wie weit darf es gehen, wenn man Journalist ist?


Ich empfinde Presseberichterstattung in Deutschland zunehmend als manipulativ. Das ist nichts Neues, denn besonders in der Politik wird natürlich immer mit manipulativer Sprache gearbeitet. Das ist auch nicht mein Problem, auch nicht im Journalismus. Denn in der Regel kann man anhand des Absenders ganz klar erkennen, wie man dessen Sprache zu werten hat. Man kann es "zurückübersetzen".


Das aber ist mein Problem. Zunehmend erlebe ich Berichterstattung in Deutschland, unabhängig des Mediums, als problematisch. Ich weiß auch nicht so genau wo es herkommt und beginne eigentlich gerade erst mir des Problems bewusst zu werden und darüber nachzudenken. Bisher störten mich schon häufiger eintzelne Formulierungen. Mal im Radio, dann wieder in der Tageszeitung, bei einem Online-Bericht und BÄM! - in der Tagesschau!
Diese Gefühl, dass dort etwas nicht in Ordnung ist kam zunächst meist hinterher. In der Diskussion mit Freunden, Arbeitskollegen oder der Familie. Mir hatte der Bericht so eingeleuchtet - er passte in mein Weltbild. Ich bewehrte mich mit seinen Worten, seinen Formulierungen und zog in die Diskussion. Und stellte immer öfter fest - jemand der andere Quellen zitierte, der andere Medien konsumierte, konnte mit den gleichen Argumenten zu anderen, besseren Schlüssen kommen.
Aber auch das ist eigentlich nicht ungewöhnlich.
Was mich aber dennoch zunehmend beschäftigte war, dass ich zunehmend auf einzelne Wörter, einzelne Formulierungen und Phrasen aufmerksam wurde, deren einhellige Verwendung in allen Medien ich mir nicht erklären konnte.


Kurz gesagt - ich wurde immer hellhöriger und immer sensibler für die genaue Wortwahl und stellte fest, das aus meiner Sicht da etwas im Argen liegt.Ich bin mir immer noch nicht sicher was es ist - und woran ich es genau festmachen kann, aber ich erlebe einen immer weiter aufklaffenden Riss zwischen dem, was deutsche Journalisten an Anspruch formulieren und dem, was sie tatsächlich tun.


Möglicherweise hat dies eine Ursache in den schwierigen Umständen in denen sich gerade das geschriebene Wort heute befindet. Es gibt eine intensive Debatte über die Zukunft der Tageszeitungen und über den Weg, den Journalismus in den Zeiten fortschreitender Digitalisierung und Demokratisierung gehen wird. Aber auch den widrigen Umständen eines solchen Umbruches sollte es nicht geschuldet sein, das man eines der höchsten Güter des Journalismus opfert:


Unabhängigkeit und Sorgfalt in der Information.


Ich trenne dies bewusst in dieser Deutlichkeit von dem, was Journalismus ebenfalls kann und leisten soll: Ordnen und kommentieren.
Die Berechtigung dazu kann sich Journalismus insgesamt aber nur durch eines verdienen: ungeachtet irgendwelcher Interessen muss er Umstände und Tatsachen wertfrei beschreiben. Nur dann kann er sich die Reputation und das Recht erwerben, diese Umstaände und Tatsachen aus Blickwinkeln zu bewerten. Jenes Medium von dieser Seite und dieses Medium von jener Seite. Aber eines muss gewährt sein: Die Trennung von Information und Meinung.
Das vermisse ich zusehend und werde diese Gedanken in der Kategorie !Auf's Maul geschaut" verfolgen und verfeinern um mir Klarheit zu schaffen.


Ein Experiment für mich, und für diejenigen die Lust haben es zu verfolgen. Als Vorbereitung und weil ich ansonsten außer meiner inneren Verfassung noch nicht viel zu bieten habe ein kleines Beispiel. Hier sind die Überschriften zweier Berichterstattungen aus einer Zeitung. Welche gefällt Euch besser? Was sagt Euch die jeweilige Überschrift, ohne das Ihr in die Artikel einsteigt? Welche Bilder und welche Emotionen habt Ihr? Und: solltet Ihr welche haben, wenn es um "Berichterstattung" geht? Lasst es auf Euch wirken und überprüft Eure Erwartungen anschließend anhand der Artikel.



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