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Opernopfer

Die in Berlin abgesetzte Mozart-Oper "Idomeneo" sorgt derzeit für Furore. Vor allem unsere selbsternannten Bewahrer der christlichen Kultur aus den Reihen der CDU schlagen auf die Intendantin der Deutschen Oper in Berlin ein.
Ungeachtet der Diskussion um Kunstfreiheit, Demokratie, Redefreiheit etc. und ungeachtet der Diskussionen um einen Dialog der Kulturen, stellt sich doch zunächst eine Frage, die sich auch Frau Harms gestellt hat:
Wie sicher sind die Zuschauer und die Mitarbeiter der Deutschen Oper?
Hier hat Frau Harms in meinen Augen zunächst einmal das Richtige getan. Sie hat einer Gefährdung von Menschen vorgebeugt. Nicht auszudenken, welche Folgen es bei einem Übergriff auf die Deutsche Bühne gegeben hätte. Ganz zu schweigen von den vielen Kritikern jetzt, die andernfalls wahrscheinlich ebenfalls am lautesten gedröhnt hätten.

Besonders perfide finde ich allerdings in dem Zusammenhang die Äußerung von Dieter Wiefelspütz (SPD), der anmerkt: "Wenn nicht einmal mehr die Intendantur eines Opernhauses für die
Freiheit der Kunst ficht und streitet, wer soll das denn sonst tun?"
Ich denke einer Intendantin, die sich zunächst einmal um die Sicherheit Ihrer Mitarbeiter und der Zuschauer sorgt, kann man keineswegs mangelndes Engagement für die Freiheit der Kunst vorwerfen. Eher schon könnte man den zuständigen Behörden und der Politik mangelnde Unterstützung der Künstler vorwerfen. Oftmals ist Kunst und Kultur tzu teuer und als erstes von Sparmaßnahmen betroffen. Nun plötzlich, soll die Kunst die Speerspitze im "Kampf der Kulturen" sein, wo man Ihr über Jahrzente diese Speerspitze rundgehobelt hat?
Unsere Politiker merke(l)n es schon gar nicht mehr, das Sie nur Ihr eigenes Versagen und Ihre eigene Hilflosigkeit offenbaren, indem Sie nun den schwarzen Peter für die aufgeheizte Situation zwischen Muslimen und Christen weiterschieben wollen.
Der Konflikt über das Verständnis oder Unverständnis zwischen den Religionen ist da. Eine Opernaufführung abzusagen ist keine vorauseilende Selbstzensur, sondern eine Reaktion auf eine konkrete Gefährdungssituation! Man sollte im Kulturkonflikt der Religionen sicher keine Kulturopfer bringen, aber Menschenopfer erst recht nicht!

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