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Politik

Es ist schon erstaunlich, wie sehr man die Lust an etwas verlieren kann. Als ich anfing zu bloggen, habe ich so ganz privat für mich, in meinem Blog das aktuelle Tagesgeschehen Revue passieren lassen und kommentiert. Als Internet- und Nachrichtenjunkie war das meine Art das Gelesene und Gehörte aufzuarbeiten und für mich selbst zu sortieren.

Zwar lese ich immer noch genauso viele Nachrichten, bin Stammkunde auf den gängigen Nachrichtenseiten deutscher Tageszeitungen, sehe mehr ode regelmäßig Nachrichten im Fernsehen und bin als Pendler ständiger Radiohörer, doch die Lust auf eine Auseinandersetzung mit dem Gelesenen und Gehörtem habe ich gründlich verloren.

Das hat sicherlich unterschiedliche Gründe, die auch teilweise gar nichts mit den Nachrichten an sich zu tun haben. Ich bin in der Mitte meines Lebens angekommen. Habe Frau, Haus und Kinder, bin beruflich engagiert und, so bilde ich mir ein, erfolgreich. Kurzum - ich habe keine Langeweile und vor Allem kein zu Viel an Zeit. Mir fehlt es daher häufig einfach an der Muße, mich intensiv mit den tagespolitischen Themen auseinanderzusetzen, Geschweige denn, sie in meinem Blog zu verarbeiten. Generell ist mir auch meine Meinung nicht abhanden gekommen. Inzwischen verlasse ich mich zwar immer häufiger auf mein Gefühl, denn Zeit zu zusätzlichen Recherchen a la Google habe ich nicht mehr und auch keine Energie dazu. Dennoch möchte ich mich als einigermaßen informiert bezeichnen. Und als latent interessiert.

Aber was ist dann passiert, das ich mir die Zeit, die ich nicht mehr habe (Gefühl!), auch nicht mehr nehmen will? Das ich nicht eben doch mal ganz kurz noch woanders schaue, ob ich noch eine Information bekomme. Nicht mehr meine personifizierten Feindbilder verfolge? (Oh Pofalla - du fehlst mir mit Deiner pastoralen Bigotterie!)

Mir geht es eben nicht anders, als wohl vielen anderen auch. Ich bin überdrüssig!

Überdrüssig:

1) das sich nichts ändert

2) das sich alles wiederholt

3) das es immer noch schlimmer wird

4) das die immerselben Protagonisten die immerselben Fehler machen

5) das das WIR nichts zählt

6) das das WIR nur zählt, wenn es zahlt

7) das sich niemand dafür interessiert und die sich interessieren müssten, es auch nicht tun

Nun mag das Alles nebulös und unkomkret klingen. Das ist es auch. Weil nämlich unsere Politiker, weil die Entscheider in der Wirtschaft, weil die sogenannten Experten, kurz - weil einfach ALLE die Orientierung verloren haben. Ich sehe niemanden weit und breit, der auch noch annähernd in der Lage wäre die Komplexität unserer Situation zu begreifen, geschweige denn in Wort zu fassen. Und noch viel weniger - jemanden, der eine Idee hat, was zu tun wäre.

Das klingt sehr enttäuscht, resigniert und fatalistisch? Nun - vereinfacht gesagt, so fühle ich mich auch. Und meiner Einschätzung nach geht es vielen so. Meine Strategie? Ich ziehe mich zurück und hoffe! Das Alles Gut wird. Das ich einer Fehleinschätzung unterlegen bin. Das die, die es richten sollen, es auch richten können. Denn - die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber Vertrauen und Gewissheit sind aus meinem Leben gewichen.

Warum man sich nicht immer nur mit Neuem beschäftigen muss

Es ist seid langer Zeit ein Abend, an dem ich meinen Gedanken nachhänge und in alten Sachen stöbere. Bezogen auf mein Onlineleben schaue ich mir meine alten Blogs an und finde die ein oder ander Perle wieder.

Und was mir am meisten auffällt. Am lesenswertesten sind jene Gedanken, die zwar einen aktuellen Ursprung haben, bei denen das Grundproblem aber generischer Natur ist. Zum Beispiel die veränderten Zielsetzungen oder Spielregeln in der Poltitik. Ein über die Jahre hinweg allmählich verschobener Fokus, gefolgt von veränderten Verhaltensweisen. Die Folge: Politik- und Politikerverdrossenheit, das Gefühl als Wähler nicht mehr ernst genommen zu werden und das viel gefährlichere Gefühl nicht mehr im Fokus des Interesses zu stehen.

Ein Beispiel gefälligst?

Nachzulesen hier!

Erschreckend wie aktuell das noch ist, vor allem wenn man das Thema abstrahiert. Hier geht es ja nicht um Koalitionen, sondern um Interessenvertretung.

Sargnägel der Demokratie

Als einen Sargnagel der Demokratie, so lies uns es die Presse wissen, hatte Norbert Lammert die Vorgänge um die Dissertation des ehemaligen Verteidigungsministers Freiherr von und zu Guttenberg genannt. Damit meinte er aber mitnichten die unredliche Art und Weise, in der besagter Freiherr sich seine Dissertation erschlich. Und in der Tat ist dies nach einigem Nachdenken kein Skandal, nicht einmal ein Skandälchen. Es ist der hilflose Versuch etwas sein zu wollen, was man nicht ist, was man nie sein wird und zu dem jede ernsthafte Befähigung fehlt. Aber das ist gewissermaßen Schnee von gestern und erst im nächsten Winter wieder aktuell.

Was Norbert Lammert so beschäftigte, waren die so genannten "Begleitumstände". Der völlig missglückte Versuch des Freiherrn sich aus der Affäre zu ziehen ist dabei in meinen Augen nur der geringste Aspekt. Was soll er auch tun, der arme Tor? Auf frischer Tat beim Süßigkeiten naschen ertappt, sagt der Kleine Übergewichtige "Ich war's nicht". "Natürlich nicht" sagt die Mutter und verhängt Hausarrest.

Der eigentliche Skandal um den Freiherrn von und zu Guttenberg ist es, das sich eine gesamte politische Front nicht entblödete, die Bevölkerung für dumm zu verkaufen. All die Unterstützungsbekundungen mit ihren mehr als zweifelhaften Rechtfertigungen haben dem denkenden Menschen eindrucksvoll vor Augen geführt, das in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen wird. Und schlimmer noch: das dies nicht aus ehrenhaften Motiven geschieht.

Ich möchte das auch gar nicht allzu breit ausschlachten. Die gesamte Affäre Guttenberg ist bestens und ohne digitalen Radiergummi im Gedächtnis des Internets archiviert und jeder der möchte, kann sich sein eigenes Bild von einer armselig agierenden Kanzlerin, einer lavierenden FDP, einer ohnmächtig-sehnsuchtsvollen CSU und einer völlig überforderten Opposition machen.

Allerdings sollte man die Befürchtung des Herrn Lammert, sollte man den Gedanken an einen Sargnagel der Demokratie noch nicht beiseite legen. Denn  die gleichen Menschen, die diesen Sargnagel nicht nur geschmiedet und mit aller Wucht ins Holz getrieben haben, haben möglicherweise nichts dazu gelernt.
Das was in den vergangenen Tagen unter dem Eindruck der schweren Naturkatastrophe in Japan geschehen ist, lässt mich fassungslos staunen. Eine Regierung, die bis an die Zähne bewaffnet einem Volk eine Verlängerung der Laufzeiten von alten Atommeilern in Deutschland aufgezwungen hat, flüchtet sich nun aus wahlkampftaktischen Gründen in die Arme der AKW-Gegner. Der waidwunde Mappus ist im Bild, als die Kanzlerin die Schliessung alter Meiler verkündet.

Das Verhalten der Regierungsparteien ist durchschaubar und legt eine Vermutung nahe. Die Kommentare in der Presse weisen hierzu den Weg. Es wird Wahlkampf betrieben.

Aber sollte sich dieses Vorgehen tatsächlich lediglich als Wahlkampf erweisen, sollte die Verlängerung der Laufzeiten nicht endgültig zurückgenommen werden, sollte sich das jetzige Verhalten als purer Stimmenfang und Volksveräppelung erweisen, dann stehen den ehemaligen Verfechtern der Atomenergie schwere Zeiten ins Haus.

Die Nägel für ihren Sarg haben sie dann selbst geschmiedet. Einschlagen werden sie Andere.


Eine Fußnote zur Fußnotendebatte

 *Ausführlich und ausufernd wird die Causa Guttenberg diskutiert und allenthalben fragt man sich:

"Wie kann das sein, das die Beliebtheitswerte steigen, obschon der Gaukler überführt ist?"

Einen kleinen Erklärungsbeitrag liefert vielleicht der Begriff der Fußnote. Wer kennt ihn nicht, den Spruch von "der Fußnote der Geschichte". Was uns sagen möchte: Nicht wichtig! Im Moment stark übertrieben aber nicht überlebensfähig in der Wahrnehmung. Und schon gar nicht von Dauer. Eine Fußnote eben.

Doch in der akademischen Auseinandersetzung ist die Fußnote oftmals das essentielle. Nicht wegen des korrekten Zitierens. Sondern wegen des ausborgens von Kompetenz und Integrität. Sie soll unangreifbar machen, da der Gedanke eben nicht selbst ausgedacht wurde. Sondern bereits einmal gedacht und damit Tatsache ist. Und unwiderlegbar.

Und so ganz anders der Sinn im alltäglichen Sprachgebrauch. Die Fußnote ist eben der Beweis, das es nicht wichtig ist. Nicht erwähnenswert. Weniger als eine Randnotiz, die wenigstens noch auf Augenhöhe steht. Und nicht unten drunter, häufig noch getrennt durch eine Linie. Abgesondert vom Text, jenseits der Demarkationslinie.

Und wie geschickt nun ind der Causa Guttenberg, die Debatte als Fußnotendebatte zu geißeln. Sie unter die Linie zu verbannen. Unter die Gürtellinie, wie die Unterstützer des Freiherrn rufen. Und so wird die Verfehlung, die eben nicht in der Fußnote besteht, sondern im unrechtmäßigen Gebrauch fremden geistigen Eigentums, degradiert, verharmlost und gleichsam aufgelöst. Der geistige Diebstahl verkehrt sich zur Anklage gegen die Entdecker. Hetzjagd! Kampagne!

So wird bagatellisiert. Und der Gegenstand der Betrachtung gerät zunehmend in den Hintergrund, wird zur Fußnote, nicht einmal zur Randnotiz.

Worum ging es gleich nochmal?

Um Antwort wird gebeten.