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Journalismus und die Verantwortung für Sprache

Ich habe mich dazu durch gerungen eine neue Kategorie einzuführen: "Auf's Maul geschaut"

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich die Frage, wie sehr die Art und Weise in der man Dinge formuliert und welche Sprache man benutzt beeinflusst, was letzten Endes verstanden wird. Es ist mir völlig klar, dass man sich derber Sprüche, blumiger Ausdrücke, eloquenter Verschleierungen oder was auch immer bedient um den eigenen Worten einen besonderen Drive zu geben.

Aber wie weit darf das eigentlich gehen? Und wie weit darf es gehen, wenn man Journalist ist?

Ich empfinde Presseberichterstattung in Deutschland zunehmend als manipulativ. Das ist nichts Neues, denn besonders in der Politik wird natürlich immer mit manipulativer Sprache gearbeitet. Das ist auch nicht mein Problem, auch nicht im Journalismus. Denn in der Regel kann man anhand des Absenders ganz klar erkennen, wie man dessen Sprache zu werten hat. Man kann es "zurückübersetzen".

Das aber ist mein Problem. Zunehmend erlebe ich Berichterstattung in Deutschland, unabhängig des Mediums, als problematisch. Ich weiß auch nicht so genau wo es herkommt und beginne eigentlich gerade erst mir des Problems bewusst zu werden und darüber nachzudenken. Bisher störten mich schon häufiger eintzelne Formulierungen. Mal im Radio, dann wieder in der Tageszeitung, bei einem Online-Bericht und BÄM! - in der Tagesschau!
Diese Gefühl, dass dort etwas nicht in Ordnung ist kam zunächst meist hinterher. In der Diskussion mit Freunden, Arbeitskollegen oder der Familie. Mir hatte der Bericht so eingeleuchtet - er passte in mein Weltbild. Ich bewehrte mich mit seinen Worten, seinen Formulierungen und zog in die Diskussion. Und stellte immer öfter fest - jemand der andere Quellen zitierte, der andere Medien konsumierte, konnte mit den gleichen Argumenten zu anderen, besseren Schlüssen kommen.
Aber auch das ist eigentlich nicht ungewöhnlich.
Was mich aber dennoch zunehmend beschäftigte war, dass ich zunehmend auf einzelne Wörter, einzelne Formulierungen und Phrasen aufmerksam wurde, deren einhellige Verwendung in allen Medien ich mir nicht erklären konnte.

Kurz gesagt - ich wurde immer hellhöriger und immer sensibler für die genaue Wortwahl und stellte fest, das aus meiner Sicht da etwas im Argen liegt.Ich bin mir immer noch nicht sicher was es ist - und woran ich es genau festmachen kann, aber ich erlebe einen immer weiter aufklaffenden Riss zwischen dem, was deutsche Journalisten an Anspruch formulieren und dem, was sie tatsächlich tun.

Möglicherweise hat dies eine Ursache in den schwierigen Umständen in denen sich gerade das geschriebene Wort heute befindet. Es gibt eine intensive Debatte über die Zukunft der Tageszeitungen und über den Weg, den Journalismus in den Zeiten fortschreitender Digitalisierung und Demokratisierung gehen wird. Aber auch den widrigen Umständen eines solchen Umbruches sollte es nicht geschuldet sein, das man eines der höchsten Güter des Journalismus opfert:

Unabhängigkeit und Sorgfalt in der Information.

Ich trenne dies bewusst in dieser Deutlichkeit von dem, was Journalismus ebenfalls kann und leisten soll: Ordnen und kommentieren.
Die Berechtigung dazu kann sich Journalismus insgesamt aber nur durch eines verdienen: ungeachtet irgendwelcher Interessen muss er Umstände und Tatsachen wertfrei beschreiben. Nur dann kann er sich die Reputation und das Recht erwerben, diese Umstaände und Tatsachen aus Blickwinkeln zu bewerten. Jenes Medium von dieser Seite und dieses Medium von jener Seite. Aber eines muss gewährt sein: Die Trennung von Information und Meinung.
Das vermisse ich zusehend und werde diese Gedanken in der Kategorie !Auf's Maul geschaut" verfolgen und verfeinern um mir Klarheit zu schaffen.

Ein Experiment für mich, und für diejenigen die Lust haben es zu verfolgen. Als Vorbereitung und weil ich ansonsten außer meiner inneren Verfassung noch nicht viel zu bieten habe ein kleines Beispiel. Hier sind die Überschriften zweier Berichterstattungen aus einer Zeitung. Welche gefällt Euch besser? Was sagt Euch die jeweilige Überschrift, ohne das Ihr in die Artikel einsteigt? Welche Bilder und welche Emotionen habt Ihr? Und: solltet Ihr welche haben, wenn es um "Berichterstattung" geht? Lasst es auf Euch wirken und überprüft Eure Erwartungen anschließend anhand der Artikel.

Frage nach Schwangerschaft: Entlassene Kosmetikerin erhält 10.800 Euro

Miese Umfragen: Absturz der grünen Überflieger 

Wahlaufruf

Wahlaufruf per Video von der IG-Metall.
Das haben sie gut gemacht, denn so geht Internet ;-)

Über Sinn und Unsinn des Motosport …

… kann man trefflich streiten. Fragt mal die Betroffenen der ADAC Deutschland Rallye. Und fragt mal die Verantwortlichen. Ich kann die Phrasen schon auswendig, bevor sich jemand geäußert hat.

Das macht mich gerade echt sauer.

Wählen oder Nichtwählen - Ein Hoch dem #Wechselwähler

Im Zeichen der anstehenden Bundestagswahl wird ein Thema interessant, das in der Zeit zwischen den ahlen bemerkenswert unbeachtet bleibt. Es geht um die Nichtwähler.

In Zeiten ohne Wahl wird gerne über Politikverdrossenheit schwadroniert. Gerne werden dann Themen wie Bürgerbeteiligung, Volksabstimmung oder Bürgerbegehren diskutiert. Ws Alles seine Richtigkeit und Berechtigung hat. Die stets sinkenden Wahlbeteiligungen jedoch unnd das Thema der Wahlverweigerung werden überiegend nur in unmittelbarar Nachbarschaft zur nächsten Wahl diskutiert. So verwundert es nicht, das dieses Thema nun wieder aktuell ist.

Heute habe ich nun einen, wie ich finde, guten Artikel zu dem Thema gelesen, den ich Euch empfehlen möchte. Ich möchte zunächst auch gar nichts dazu sagen, sondern Euch den Artikel einfach nur ans Herz legen, dennda steht viel Gutes und Wahres darin. Danach möchte ich Euch gerne einladen, meinen beitrag, quasi meinen Leserbrief in den Kommentaren des Artikels zu lesen. Den habe ich der Einfachheit halber für Euch unten ankopiert. Dann müsst Ihr die andern Kommentare nicht lesen, wenn ihr nicht wollt und braucht meinen Kommentar nicht zu suchen.

Ich wünsche Euch viel Lesevergnügen und freu mich auf weitere Meinungen zum Thema "Nichtwähler":

 Birgit Kelle - Plädoyer für den Urnengang im "The European"

Hier mein Kommentar:

Liebe Frau Kelle,

eine Ergänzung zu Ihrem Artikel sei mir erlaubt, denn ich finde ein winziges Argument fehlt in Ihrer Aufzählung, warum man wählen gehen sollte.

Meines Erachtens wird der Aspekt der häufig gerügten Austauschbarkeit unserer Parteien gerne vergessen. Ein positver Effekt ideser angeblich ungenügenden Abgrenzung und Profilierung untereinander ist es aber, dass es eben nicht "gefährlich" oder "unvorhersehbar" ist, wenn in Deutschland eine Regierung wechselt.

Unsere Demokratie hat nun schon einige Jahre und auch einige Regierungen mit wechselnden Mehrheiten und wechselnden Koalitionen auf dem Buckel. In keiner dieser bisherigen Regierungen ist das totale Chaos über unser Land hereingebrochen, unter keiner dieser Regierungen hat es innerhalb kurzer Zeit fundamentale Umbrüche gegeben.
Und genau das wäre auch bei einem weiteren Regierungswechsel Gewißheit: das sich zwar was ändert, aber eben nur in Maßen.

Unser Land ist geregelt von inneren und äußeren Verpflichtungen.
Wir haben eine Verfassung und eine Gesetzgebung, die die Regeln und den Spielraum für Veränderungen begrenzen. Zudem haben wir äußere Rahmenbedingungen denen wir uns verpflichtet haben. Auch in Bezug auf Europa oder internationale Zusammenarbeit besteht in keinster Weise "Narrenfreiheit". Auch die nächste Regierung, wer immer es sein mag, wird sich innerhalb eines festen Netzes aus Verpflichtungen und festen Rahmenbedingungen bewegen. Mit einem "Umbruch" oder einer gravierenden Veränderung unseres Landes ist zunächst einmal nicht zu rechnen - egal wer regiert.
Nun - nicht ganz egal. Denn antürlich gibt es Parteien oder politische Strömungen, die sehr weitreichende Änderungen anstreben. Da muss man natürlich darüber nachdenken, ob man das möchte oder nicht.

Aber was ich damit sagen möchte:
Sie haben ganz recht, das "Nicht-Wählen" als das darzustellen was es ist: die Aufgabe von Freiheit und Einfluss.
Ich weiß nur nicht, ob Sie mit diesem Argument einen resignierten Nicht-Wähler zur Wahl bewegen können. Denn das Gefühl des Nicht-Wählers sagt ihm vielleicht: "Ich habe meine Freiheit und meinen Einfluss bereits eingebüßt". Was soll er also da noch aufgeben. Ihm zu entgegnen "Du hättest aber Freiheit und Einfluss, wenn Du wählen gingest", ist in etwa so, als ob Sie streitenden Kindern entlocken wollen, wer denn mit dem Streit angefangen hat. ("Du hast angefangen" - "Nein Du hast zuerts." - "Nein DU" - "Nein DU DU DU! - sie verstehen was ich meine?)
Welche Option kann man aber dem Nichtwähler bieten?

Ich denke man kann dem Nichtwähler wie auch allen anderen Wählern eines sagen:
"Geh wählen. Und wenn Du nicht zufrieden bist, dann wähl die Anderen. Und wenn Du dann wieder nicht zufrieden bist, dann wähl halt wieder die Anderen."
Sagen Sie dem Nichtwähler, er soll Wechselwähler sein! Denn diese sind es, die die Zukunft unseres Landes gestalten. Der Wechselwähler ist nämlich nicht ein sprunghaftes, charakterloses Wesen. Er ist letzten Endes derjenige, der Mut hat und Veränderung will. Er ist der Wechselwähler im wahrsten Sinne des Wortes - er wählt den Wechsel.

Und unter der Prämisse, dass man mit nur einer einzigen Wahl ein Land wie das unsere nicht ins Chaos stürzt, tut der Wechselwähler all das, was Sie ihm empfehlen. Er zwingt unsere Politiker und unsere Gesellschaft immer wieder dazu den Weg zu finden, der auf Dauer für Alle der Beste ist. Er fordert unsere Poltiker auf, nicht den Status quo zu bewahren, sondrn sich immer wieder aufs Neue zu beweisen.

Die einzige Alternative zum Nichtwählen ist das Wechselwählen. Denn so wählt man Veränderung und Fortschritt.